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26. April 2014
Nach uns die Sintflut?
Hochschultag für Nachhaltigkeit an der Hochschule Konstanz – Ernst-Ulrich von Weizsäcker zu Gast
Viele Facetten, viele Diskussionsanlässe, viele Interessierte: Der Hochschultag für Nachhaltigkeit an der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) zeigte, dass sowohl das Engagement der Lehrenden wie auch das Interesse der Studierenden am Thema „Nachhaltigkeit“ groß ist. Gastredner war Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Co-Präsident des Club of Rome.
Die HTWG hat „Nachhaltigkeit“ seit vielen Jahren etabliert, unter anderem mit der ersten Referentenstelle für Nachhaltigkeit an einer baden-württembergischen Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Dass und wie das Thema tatsächlich in Lehre und Forschung integriert ist, zeigten die Impulsvorträge von Professorinnen und Professoren der Hochschule. So wurde klar, wie vielseitig das Thema innerhalb der Fakultäten behandelt wird. Prof. Dr. Helmut Weber (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften) lenkte den Blick auf Herausforderungen in Indonesien, Prof. Dr. Benno Rothstein machte darauf aufmerksam, dass trotz Energiewende konventionelle Energieerzeugung ein Thema bleiben wird, Prof. Dr. Maike Sippel (beide Bauingenieurwesen, Studiengang Umwelt- und Ressourcenmanagement) stellte das Kompetenzzentrum Energiewende Region Konstanz vor, Prof. Dr. Christian Schaffrin erläuterte die Grundlagen der Balance in der Biosphäre, Prof. Dr. Thomas Göllinger (beide Elektrotechnik und Informationstechnik) den Zusammenhang zwischen Effizienz-, Konsistenz- und Suffizienzstrategien und Prof. Dr. Marco Mevius (Informatik) stellte unter dem Motto „IT for Green“ Möglichkeiten der Informatik für nachhaltiges Handeln dar.
HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz begrüßte das große Engagement und die Kopplung von Nachhaltigkeit und Innovationen, die durch das Motto des Tages „Innovationen brauchen Rahmenbedingungen“ deutlich wurde: „Eine Innovation ist von der ersten Idee bis zum erfolgreichen Produkt nicht ohne Nachhaltigkeitsgedanken möglich“, betonte er bei der Begrüßung in der voll besetzten Aula. Der Hochschultag solle weitere Impulse für Projekte in Lehre und Forschung geben, wünschte sich Prof. Dr. Maike Sippel, Senatsbeauftragte für Nachhaltigkeit an der HTWG. Sie appellierte an die Hochschulangehörigen, technische und soziale Innovationen im Reallabor Hochschule zu erproben.
Eine Möglichkeit, Nachhaltigkeit zu konkretisieren, zeigte der Workshop der Doktoranden Marcus Ehrenberger und Magnus Sauer. Sie luden die Teilnehmer dazu ein, Voraussetzungen und Realisierungsvarianten von Social Entrepreneurship zu erarbeiten. So wurde beispielsweise über Rechtsformen und Anschubfinanzierungsmöglichkeiten beratschlagt. Felix Strasser, Leiter der EventProduktion der HTWG, ermunterte in seinem theaterpädagogischen Workshop die Teilnehmer – Studierende, Mitarbeiter und externe Gäste – dazu, sich unter dem Motto „Nach uns die Sintflut“ spielerisch mit dem Thema zu beschäftigen. Vor der Abschlussveranstaltung konnte die Gruppe mit einer Vorführung den Gästen einen Spiegel vorhalten, in dem sich die Kluft zwischen dem Anspruch und tatsächlichem „nachhaltigen“ Verhalten der Menschen widerspiegelte.
Dass Innovationen in Richtung Nachhaltigkeit klare wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen brauchen, stellte der Politiker und Wissenschaftler Prof. Dr. Ernst-Ulrich von Weizsäcker im Abschlussvortrag entschieden fest. Leidenschaftlich entlarvte er Irrungen und Wirrungen im Namen nachhaltigen Handelns, deckte wirtschaftliche Interessen auf und plädierte eindringlich dafür, über entsprechende Preise eine Effizienzrevolution im Energie- und Ressourcenverbrauch anzustoßen. In der Abschlussdiskussion mit Lehrenden der HTWG stimmte er zu, nicht ausschließlich auf Effizienzsteigerungen zu setzen und appellierte auch an einen genügsameren Lebensstil.
Eine begleitende Posterausstellung zeigte die vielseitige Verankerung des Themas Nachhaltigkeit in Lehre und Forschung, Wissens- und Technologietransfer sowie im technischen Betrieb der Hochschule. (aw)







