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SÜDKURIER löscht Artikel nach wenigen Stunden: Gab es Druck von außen?

Dennis Riehle

Am Sonntagnachmittag, 09.01.2022 veröffentlichte die Tageszeitung SÜDKURIER auf seiner Homepage im Lokalteil „Konstanz“ ein bereits vor Monaten geführtes Interview mit dem Konstanzer Autor Dennis Riehle, in dem er zu den Höhen und Tiefen seines 23-jährigen Ehrenamts in verschiedenen Bereichen befragt wurde. Bereits am Montagvormittag war der Beitrag von der Webseite wieder entfernt worden – und auch in der gedruckten Ausgabe erschien der Text nicht. Eine Anfrage des 36-Jährigen beim SÜDKURIER brachte bislang keine Ergebnisse. Riehle fragt sich, ob es möglicherweise Druck von außen gab, der zum Rückzug des Artikels beigetragen hat. Immerhin warf er im Gespräch mit der Zeitung vor allem dem Litzelstetter Ortschaftsrat und der dortigen Ortsverwaltung, aber auch der evangelischen Kirche und einigen ortsunabhängigen Selbsthilfeorganisationen, in denen er überall freiwillig tätig gewesen war, einen unwürdigen Umgang mit ihren ehrenamtlich Engagierten vor und kritisierte deren fehlende Wertschätzung.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es von irgendwoher eine Reaktion auf die Veröffentlichung gab, die letztlich die verantwortlichen Redakteure im Medienhaus des SÜDKURIERS dazu veranlassten, von einer Publikation des Beitrags abzusehen. Sollte dem so sein, wäre das durchaus ein Armutszeugnis für den ‚unabhängigen Journalismus‘, mit dem die Zeitung stets Werbung macht“, konstatiert Riehle – und befürchtet: „Wenn Einflussnahme von Dritten eine Redaktion dazu bewegen kann, für manch eine Institution unschöne Schlagzeilen zurückzuhalten, dann ist das durchaus bedenkenswert und sicherlich kein Aushängeschild“, befindet der gebürtige Konstanzer, nachdem er selbst als Journalist und Kommunikationsberater ausgebildet ist und als PR-Fachkraft ein düsteres Bild zeichnet: „Sofern sich ein solches Vorgehen etablieren sollte, wird die Presse ein weiter steigendes Glaubwürdigkeitsproblem bekommen, welches sie in einer sich auseinander lebenden Gesellschaft mit großen Skeptikern gegenüber den Medien ohnehin bereits hat“.

Im Interview bemängelte Riehle vor allem, dass er rund zehn Jahre ehrenamtlich aus dem Ortschaftsrat und der Ortsverwaltung in Litzelstetten für das dortige Mitteilungsblatt berichtete, gleichsam aber während Ausführung und nach der Aufgabe dieses Amtes kaum eine Anerkennung erhalten habe, obwohl er hunderte Stunden freiwilliger Arbeit geleistet hatte: „Mein Tun war einfach selbstverständlich geworden, obwohl es eigentlich in der Verantwortung der öffentlichen Hand gelegen wäre, über das Geschehen im Informationsblatt zu schreiben. Und dass manch ein Bürger und Mandatsträger bis zum Schluss noch immer fälschlicherweise davon ausgegangen ist, wonach ich für dieses Engagement finanziell entschädigt würde, obwohl ich nie einen Cent bekommen wollte und auch nicht erhalten habe, hat mich geärgert“, so Riehle – der anfügt: „Auch in der Kirche habe ich über Jahre fast jeden Nachmittag drei bis vier Stunden in der Jugendarbeit Ehrenamt geleistet und wurde schlussendlich recht unsanft heraus katapultiert, nachdem mir ein Hauptamtlicher ziemlich empathielos vor die Nase gesetzt wurde – und weil sich das Gerücht verbreitet hatte, ich sei homosexuell veranlagt“, erklärt der Litzelstetter, der auch in der Selbsthilfe bis heute bürgerschaftlich engagiert ist. „Hier zeigt es sich doch eher differenziert: Ich konnte dort in einigen Organisationen sehr viel Würdigung und Wertschätzung erfahren. Andernorts gab es jedoch wenig Sensibilität, gerade, wenn es um den Wunsch nach mehr eigenverantwortlichem Arbeiten gab – und ich als Narzisst stringent zurückgewiesen wurde“.

Riehle ist enttäuscht darüber, dass der SÜDKURIER bisher keine Erklärung für den Rückzug des Artikels geliefert hat, sondern über die Beweggründe schweigt. „Sicherlich hätte der Beitrag von sich Reden gemacht und bestimmt auch zu Debatten geführt. Wenn man solch einen Diskurs allerdings scheut und sich lieber mit allen Angesprochenen gutstellen will, dann ist das eine Art von zurückhaltendem, kuschendem Journalismus, der nicht für allzu viel Investigativkraft steht“. Der Berater hätte für wichtig erachtet, dass das Thema der Würdigung bürgerschaftlichen Engagements in eine breitere Diskussion gestellt worden wäre, denn immerhin seien über 40 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig aktiv – und ein Großteil davon arbeitet kostenfrei. „Das Ehrenamt hat seinem Namen nach ja nur wenige Möglichkeiten, wertgeschätzt zu werden. Ich setze mich ganz bewusst gegen eine Monetarisierung ein und finde es bedenklich, wenn eine Hilfsorganisation schon mit entgeltlichen Pauschalen um Ehrenamtliche wirbt. Dort, wo es nicht in den Aufgabenbereich des Staates fällt, soll das freiwillige Engagement auch fortan im Rahmen der geltenden Aufwandsentschädigungen geleistet werden. Darüber hinaus muss darauf geachtet und politisch gesichert werden, dass ein freiwilliges Wirken keinen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz verdrängt. Gleichsam muss das Ehrenamt somit immateriell anerkannt werden. Allerdings ist das in den letzten Jahren immer kürzer gekommen und Ehrenamt droht letztlich zu einer Natürlichkeit zu werden. Ich will vor allem erreichen, neue Wege der Würdigung zu finden. Dafür wäre die öffentliche Auseinandersetzung wertvoll gewesen“, so Riehle abschließend.

Auch wenn der SÜDKURIER mittlerweile Stellung genommen hat, bleiben Ungereimtheiten: Die von der Redaktion als Grund für den Rückzug des Artikels genannte Notwendigkeit zur Bearbeitung bleibt fragwürdig, zumal sich seit dem Interview im letzten Herbst nichts an der Ausgangslage getan hat, die eine solche Überprüfung erfordern würde. Skepsis bleibt auch deshalb, weil man beim SÜDKURIER zunächst gar nichts davon zu wissen schien, dass der Beitrag wieder entfernt und nicht in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht worden war. Zumindest bestreitet man, dass es sich um eine Löschung des Textes handelte und stellte eine alsbaldige Publikation in Aussicht. Ob es dazu kommen wird, daran hat auch der Interviewpartner Dennis Riehle nun ernsthafte Zweifel.

Update

Auch wenn der SÜDKURIER mittlerweile Stellung genommen hat, bleiben Ungereimtheiten: Die von der Redaktion als Grund für den Rückzug des Artikels genannte Notwendigkeit zur Bearbeitung bleibt fragwürdig, zumal sich seit dem Interview im letzten Herbst nichts an der Ausgangslage getan hat, die eine solche Überprüfung erfordern würde. Skepsis bleibt auch deshalb, weil man beim SÜDKURIER zunächst gar nichts davon zu wissen schien, dass der Beitrag wieder entfernt und nicht in der gedruckten Ausgabe veröffentlicht worden war. Zumindest bestreitet man, dass es sich um eine Löschung des Textes handelte und stellte eine alsbaldige Publikation in Aussicht. Ob es dazu kommen wird, daran hat auch der Interviewpartner Dennis Riehle nun ernsthafte Zweifel.

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