
- 31. August 2026
Ulrika Eller-Rüter: Die Gezeiten als ewiger Pendelschlag
Ulrika Eller-Rüter: Die Gezeiten als ewiger Pendelschlag
Installation in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn
„Der rhythmische Wechsel der Gezeiten, das Auf- und Absteigen der Meere im sechsstündigen Rhythmus, umfasst als ewiger Pendelschlag den gesamten Globus und damit alle Menschen in Nord und Süd, Ost und West, unabhängig von jeglichen kulturellen Unterschieden.“ Ulrika Eller-Rüter, Künstlerin und Professorin
In vielen Religionen spielt Wasser mit seiner lebensspendenden Kraft und seiner zugleich vernichtenden Macht als Symbolträger eine zentrale Rolle.
Zeitlichkeit und Ewigkeit – versinnbildlicht durch das Auf und Ab der Tiden mit Ebbe und Flut als große Wasserbewegungen der Ozeane - bilden die thematische Grundlage der Ausstellung „Gezeiten“ von Ulrika Eller-Rüter in der Namen-Jesu-Kirche in Bonn.
Präsentiert werden Installationen (u.a. ein Teich vor dem Altar), Salz- und Farbobjekte sowie großformatige Papierarbeiten.
Zeitlichkeit und Ewigkeit sind Themen, die in einem Kirchenraum latent anwesend sind. Die Reise in die jenseitige Welt wird auch in vielen Mythen, Märchen und Sagen mit dem Wasser in Verbindung gebracht, unter anderem als Schifffahrt über ein Gewässer.
Mit Installationen und großformatigen Malereien macht die Ausstellung im Kirchenraum elementare und ästhetische Dimensionen der „Gezeiten“ erlebbar. Direkt vor dem Altar wird ein echter, von lebendigem Grün umsäumter Teich platziert. Das grün gefärbte Wasser wird allmählich verdunsten und das grüne Salz auskristallisieren, die Pflanzen - echtes Gras - hingegen grünen und wachsen.
Die Farbe Grün stellt an sich schon in vielen verschiedenen Facetten eine Verbindung zwischen den Religionen her, zum Beispiel als Paradiesfarbe des Islam, als Farbe der Hoffnung auf neues Leben im Christentum sowie als Farbe für das Leben und zugleich für den Tod für Hindus und Buddhisten.
Damit schafft die Künstlerin einen Spannungsbogen vom Weihwasserbecken im Eingangsbereich mit dem christlich „ritualisierten“ heiligen Wasser bis zu dem interreligiösen grünen Wasserbecken im Altarbereich.
Wasser und Zeit
In den Seitenschiffen greifen großformatige, in Tusche getränkte und mit Substraten versetzte lange Papierarbeiten die Vertikale der Architektur, der Säulen- und Fensterelemente, auf. In diesen Arbeiten spielen Wasser und Zeit die wesentliche Rolle bei der Bild- und Formgebung durch das Zusammenspiel von Flüssigkeit, Farbpigmenten und Bildträgern.
Michael Kehren, Pfarrer der Namen-Jesu-Kirche, betont: "Wasser ist für alle Religionen ein Sinnbild für die Dynamik von Leben, aber auch für Sterben. In unserer christlichen Tradition finden sich die Bilder vom Taufwasser bis zu den Psalmen der Bibel immer wieder. Die Ausstellung ‚Gezeiten' von Ulrika Eller-Rüter nimmt dieses Motiv auf und bringt es durch die Art der Ausstellung in Dialog mit dem barocken Kirchenraum!"
Jenny Geißler-Bentler, Galerie Geißler Bentler, sagt: "Das Thema der Ausstellung, ‚Wasser‘, ist sowohl gesellschaftlich als auch im internationalen künstlerischen Diskurs von höchster Relevanz und Aktualität. Diese kraftvolle Bipolarität des Wassers lässt die Betrachterin und den Betrachter tief eintauchen in das Sujet, welches hier sehr mitreißend präsentiert wird."
Ulrika Eller-Rüter widmet sich seit 2019 dem Wasser unter unterschiedlichen künstlerischen Fragestellungen, um die fluiden und fragilen Zustände der menschlichen Existenz zu untersuchen. Sie schöpft auf ihren Reisen an verschiedensten Orten in der Welt Wasserproben aus Flüssen, Meeren, Brunnen und sonstigen Quellen, archiviert und mikroskopiert sie. „Unter dem Mikroskop zeigt sich eine Fülle von ‚Bildern‘ und Codes, die Auskunft geben über Zivilisation, Landschaft bzw. Natur, Kosmos und Universum. Jedes Gewässer hat eine auffallende ‚Physiognomie‘, wie eine eigene ‚Signatur‘“, erklärt die Künstlerin.
Diese Tropfen-Bilder sind Grundlage ihrer multidisziplinären Inszenierungen mit Malerei, Installation und Performance wie auch ihren Interventionen im öffentlichen Raum mit ortspezifischen Untersuchungen.
Ulrika Eller-Rüter – kunstbasierte Forschung
Ulrika Eller-Rüter arbeitet multidisziplinär in den Grenzbereichen zwischen Malerei, Installation, Performance und Musik, wie auch in partizipativen Kunstformen im öffentlichen Raum.
In ihrer multidisziplinären Herangehensweise untersucht sie die Spuren der menschlichen Existenz in ihrer Fragilität, das Latente und Subkutane, das „unter der Haut“ verborgen liegt. Bildgebende Verfahren, wie sie in den Naturwissenschaften zur Anwendung kommen, werden in vielen ihrer neueren Arbeit zur künstlerischen Strategie und kunstbasierten Forschung.
Einzel- und Gruppenausstellungen, Performances und Interventionen im gesellschaftlichen Kontext führten sie u.a. nach Polen, Litauen, Rumänien, Italien, Frankreich, Portugal, Schweden, Palästina/Israel, China, Russland, Iran, Nicaragua, Südafrika.
Die Künstlerin und Professorin Dr. Ulrika Eller-Rüter lehrt an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft und hat dort eine Professur für Malerei und Kunst im gesellschaftlichen Kontext inne. Für Gastprofessuren wurde sie u.a. entsandt an die Akademie der Künste in Krakau/Polen, das Visual Arts Department der Stellenbosch-Uni/Südafrika, das Fine Arts Department der Al-Quds-Universität in Abu Dis/Palästina, das Visual Arts Department der Sichuan China University in Chengdu/China, die Akademie der Künste in Vilnius/Litauen, das Visual Arts Department der Dalian University, Dalian/China, die Shanghai Art and Design Academy, Shanghai/China.
Galerie Geißler Bentler
Die Galerie Geißler Bentler, 1981 als Galerie Bentler in Bad Godesberg gegründet, hat sich auf zeitgenössische Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schwerpunktmäßig auf ZERO-Kunst und Informel, spezialisiert.
Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch die Präsentation und Förderung aufstrebender, neuer künstlerischen Positionen, die sich thematisch in die Fragestellungen der Galerie eingliedern: Die Frage nach dem Licht in der Kunst, nach der dritten Dimension in Malerei und Grafik und nach neuen Ausdrucksformen.
Die Galerie Geißler Bentler steht seit 45 Jahren für „Nachhaltigkeit“, „Achtsamkeit“, „Demokratie“ und „Freiheit“.
Weitere Infos: https://www.geissler-bentler.de/
Namen-Jesu-Kirche
Die Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Bonner Innenstadt. Seit ihrer Wiedereröffnung 2012 dient sie dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland als Bischofskirche. Getragen wird sie von der gemeinnützigen Stiftung Namen-Jesu-Kirche, die sie als offenen Sakralraum für die Stadt Bonn und ihre Bürgerinnen und Bürger nutzbar macht. Als Citykirche ist sie zudem ein Ort der Kultur, an dem regelmäßig Konzerte und Ausstellungen stattfinden.
Die Ausstellung läuft bis zum 5. November 2026 und kann zu den regulären Öffnungszeiten der Kirche besucht werden: Di bis Mi: 11:30 – 14:30 Uhr, Do bis Sa: 11:30 – 17:30 Uhr, Sonntag: 11:30 – 17:30 Uhr, montags geschlossen
Weitere Infos: https://www.namenjesukirche.de/







