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  • 12. Januar 2015

Zahl der Azubis im Land weiter rückläufig

Von Sebastian Bader - IHK Region Stuttgart

Wirtschaft und Politik schließen neue Allianz für Aus- und Weiterbildung

Stuttgart – Obwohl das Interesse der Betriebe an der dualen Ausbildung ungebrochen ist, wurden auch 2014 weniger Lehrverträge in Baden-Württemberg abgeschlossen als im Jahr zuvor. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge der Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung ist von rund 45.900 (2013) um knapp ein Prozent auf ca. 45.500 zurückgegangen. Zugleich blieben laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt knapp 6.000 angebotene Lehrstellen im Land unbesetzt. Eine der Ursachen für die Bilanz der zwölf baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) ist die demografisch bedingt rückläufige Zahl der Schulabgänger. Dank der intensiven Anstrengungen der Unternehmen bei der Suche nach Azubis und zahlreicher Unterstützungsleistungen von Seiten der IHKs fällt das Minus bei den Ausbildungsverträgen noch moderat aus, urteilen die Kammern.

„Da viele Betriebe den zunehmend spürbaren Fachkräftemangel mit Ausbildungsangeboten angehen wollen, sind die Chancen für einen Ausbildungsplatz heute besser denn je“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der IHKs in Baden-Württemberg. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen habe die betriebliche Ausbildung oberste Priorität bei den Maßnahmen gegen fehlende Fachkräfte. So das Ergebnis der letzten IHK-Konjunkturumfrage in Baden-Württemberg bei rund 10.000 Betrieben.

„Wir müssen den Anteil der Haupt- und Realschulabgänger, die gleich nach der Schule eine duale Ausbildung machen, wieder steigern“, sagt Richter. Viele Jugendliche gehen weiter auf eine Schule und beginnen erst später eine duale Ausbildung. „Erst die Ausbildung absolvieren und dann einen höheren Schulabschluss machen, das wäre für viele junge Menschen und auch für die Betriebe sinnvoller“, ist sich Richter sicher. Nach einer Lehre ließe sich zum Beispiel die Fachhochschulreife in einem Jahr auf dem Berufskolleg auch noch erlangen. Sogar während der Ausbildung ist es möglich, die Fachhochschulreife als Zusatzqualifikation zu erwerben.

Die Bewerbung der dualen Ausbildung in den Schulen müsse laut Richter intensiviert werden. Die IHKs engagieren sich dafür mit einer Vielzahl von Initiativen. Azubis berichten zum Beispiel als Ausbildungsbotschafter in Schulen über ihre Ausbildung. Im Rahmen von Projekten wie beispielsweise „Azubi gesucht?“ werden Jugendliche direkt an Betriebe vermittelt. Weitere Projekte sind Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Betrieben, Tag der Technik oder IHK-Kompetenzcheck für Schüler zur Berufsorientierung.

Auch die Einführung des Fachs Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung, das ab Herbst 2016 an allen weiterführenden Schulen im Land Pflicht sein wird, ist laut IHKs ein positives Signal. „Mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel ist es wichtig, dass auch die Unternehmen ihren ohnehin bereits großen Aufwand noch intensivieren und jede freie Lehrstelle den Arbeitsagenturen melden“, so Richter. Im Rahmen der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“, die im Dezember 2014 zwischen Wirtschaft und Politik mit erneuerten Inhalten eingegangen wurde und den nationalen Pakt abgelöst hat, will die Wirtschaft dieses Jahr 20.000 zusätzliche Ausbildungsplätze gegenüber den 2014 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen zur Verfügung stellen. Bei der Ausarbeitung der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ war der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seitens der Wirtschaft federführend.

Viele Betriebe gehen bei der Werbung um Auszubildende neue Wege und bilden zum Beispiel Studienabbrecher aus. Die IHKs unterstützen dabei Unternehmen und junge Erwachsene beispielsweise mit dem Programm "speed.it - mit Tempo zum Erfolg". Studienabbrecher mit ausreichenden Vorkenntnissen aus den MINT-Bereichen Mathematik, Physik, Informatik, Wirtschaftsinformatik bekommen innerhalb dieses Programms die Chance, in eineinhalb Jahren einen Berufsabschluss als Fachinformatiker zu erwerben. Über professionelles Ausbildungsmarketing gewinnen viele Unternehmen ebenso Auszubildende. Mit der IHK-Jugendstudie „Auszubildende gezielt suchen und finden“ unterstützen die Kammern Ausbildungsbetriebe dabei und geben ihnen praxistaugliche Informationen für ein zielgruppenorientiertes Ausbildungsmarketing in unterschiedlichen Jugendmilieus an die Hand.


Ressort: Wirtschaft

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