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Südschwarzwald wird Agroforst-Modellregion
Agroforstsystem des Hofguts Wöpplinsberg im Landkreis Emmendingen ©Florian Schmid/Naturpark Südschwarzwald e. V.
  • 28. Januar 2026

Südschwarzwald wird Agroforst-Modellregion

Von Nina Faschian | Naturpark Südschwarzwald e. V.

15 landwirtschaftliche Betriebe im Gebiet des Naturparks Südschwarzwald werden zu Agroforst-Pilotbetrieben.

Durch den Klimawandel steht die Kulturlandschaft des Südschwarzwalds vor tiefgreifenden Veränderungen. Agroforstsysteme können dazu beitragen, Wasser besser in der Landschaft zu speichern sowie den Boden vor Erosion und Austrocknung zu schützen. Gleichzeitig fördern sie Biodiversität und Bodenleben. Der Naturpark Südschwarzwald e. V. unterstützt 15 landwirtschaftliche Betriebe beim Aufbau innovativer Agroforstsysteme. Damit entwickelt sich der Südschwarzwald zu einer Modellregion für Agroforstwirtschaft.

Großes Interesse am Unterstützungsprogramm des Naturparks

Ende vergangenen Jahres hatte der Naturpark sein Unterstützungsprogramm für Agroforst-Pilotbetriebe veröffentlicht. Ziel des Programms ist es, landwirtschaftliche Betriebe durch eine Investitionsförderung sowie eine individuelle fachliche Beratung bei der Planung und Umsetzung von Agroforstsystemen zu begleiten. Das Interesse war groß: Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden 15 Pilotbetriebe ausgewählt, mit denen in den kommenden Monaten eine standortspezifische Planung erarbeitet wird. Bereits im Frühjahr sollen die ersten Bäume gepflanzt werden.

Vielfältige Motivation: Klimaresilienz, Tierwohl und neue Einkommensquellen

Die Beweggründe der teilnehmenden Betriebe sind vielfältig: Einige versprechen sich von der Integration von Gehölzen einen besseren Schutz vor Bodenerosion und einen verbesserten Wasserrückhalt, insbesondere bei Starkregenereignissen. Für tierhaltende Betriebe steht vor allem die zusätzliche Beschattung im Sommer im Fokus. So sollen Weideflächen widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit werden und den Tieren an heißen Tagen Schatten spenden.

Auch betriebliche Diversifizierung spielt eine wichtige Rolle: Produkte wie Hackschnitzel, Obst oder Nüsse aus Agroforstsystemen schaffen zusätzliche betriebliche Standbeine und neue Einnahmequellen. Alle Betriebe eint der Wunsch, ihre Höfe angesichts des Klimawandels zukunftsfähig auszurichten und den Bodenaufbau sowie die ökologische Stabilität ihrer Flächen zu fördern.

Beispiel aus der Praxis

Ein Pilotbetrieb ist der Biohof Zimmermann in Freiamt. Betriebsleiter Jochen Zimmermann plant mit Unterstützung des Naturparks auf zwei Flächen die Anlage von Agroforstsystemen. Vorgesehen ist eine Kombination aus schnell wachsenden Baumarten zur Energieholzproduktion sowie Obstbäume für den Eigenbedarf. Gleichzeitig soll die zusätzliche Beschattung durch die Gehölze im Auslaufbereich der mobilen Hühnerställe den Hitzestress der Tiere reduzieren. Zimmermann beschreibt: „Die Anlage des Agroforstsystems ist für mich ein wichtiger Beitrag zum Tierwohl und gleichzeitig eine Möglichkeit, die Leistung der Hühner zu stabilisieren.“

Der Sonnenhof bei Schopfheim ist ebenfalls einer der Agroforst-Pilotbetriebe. Wie viele Betriebe im Südschwarzwald ist der Sonnenhof ein Grünlandbetrieb mit Mutterkuhhaltung, der neben der Fleischproduktion durch die Beweidung der Flächen einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung des Landschaftsbildes leistet. Auch hier auf einer Höhe von etwa 700 m macht sich die Trockenheit zunehmend bemerkbar. Betriebsleiterin Susanne Greiner berichtet: „Insbesondere auf unseren südseitigen, windausgesetzten Flächen macht die Hitze den Tieren im Sommer zu schaffen.“ Mit Blick auf die geplanten Pflanzungen ergänzt sie: „Die Pflanzung von Bäumen auf unseren Weideflächen bietet den Tieren Schatten und schützt den Boden vor Austrocknung. Gleichzeitig bieten die Blätter der Bäume und Sträucher eine nährstoff- und proteinreiche Nahrungsergänzung, die sich positiv auf die Tiergesundheit auswirkt.“

Was ist Agroforst?

Agroforstsysteme verbinden Bäume und Sträucher mit Ackerbau oder Weidewirtschaft. Was sich über Jahrhunderte in traditionellen Landnutzungsformen bewährt hat, wird heute an moderne landwirtschaftliche Produktionsweisen angepasst. Agroforstsysteme schaffen vielfältige positive Effekte für Boden, Wasserhaushalt, Biodiversität und Mikroklima und tragen gleichzeitig zur Stabilisierung der landwirtschaftlichen Produktivität bei. Damit bieten sie ein großes Potenzial für eine resiliente, zukunftsfähige Landwirtschaft im Einklang mit Natur, Landschaft und betrieblicher Praxis.

Mit dem Naturpark zum Agroforst-Pionier

Der Naturpark Südschwarzwald e. V. unterstützt die Betriebe auf ihrem Weg zum Agroforst-Pionier durch individuelle Beratung bei Planung und Anlage der Systeme. Fünfzehn Pilotbetriebe erhalten zusätzlich eine Investitionsförderung. Begleitende Weiterbildungsangebote, Praxisaustausch und die Zusammenarbeit mit Fachbehörden sorgen dafür, dass die gewonnenen Erfahrungen weitergegeben werden. So leisten die Pilotbetriebe einen wichtigen Beitrag, um die Umsetzung von Agroforstsystemen für weitere interessierte Betriebe zu erleichtern.

Die Förderung von Agroforst-Pilotbetrieben ist Teil des Naturpark-Projekts „Wasser, Boden, Agroforst“. Dieses Projekt widmet sich der dringenden Aufgabe, Landschaft so zu gestalten, dass sie den klimatischen Veränderungen standhält. Der Naturpark dient als Umsetzungskulisse innovativer Maßnahmen aus den Bereichen Wasser (dezentraler Wasserrückhalt), Boden (humusfördernde Bewirtschaftung) und Agroforst.

Das Projekt wird von verschiedenen Stiftungen sowie als Vorhaben des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.wasser-boden-agroforst.de.




Ressort: Hochrhein

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