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Historische Parks im Klimastress
Erstmals liegt für ganz Deutschland ein Klima-Parkschadensbericht vor, ermöglicht durch fachliche und finanzielle Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Fazit: Historische Parks sind im Klimastress. Betroffen ist etwa auch der Neue Garten in Potsdam ©TU Berlin
  • 26. Januar 2024

Historische Parks im Klimastress

Von Klaus Jongebloed | DBU Naturerbe-Pressemitteilung

Erstmals deutschlandweite Untersuchung – DBU-Förderung

Zum ersten Mal wird heute (Freitag) von der Technischen Universität (TU) Berlin für Deutschland ein Klima-Parkschadensbericht über Klimafolgen für Parkanlagen und Gärten vorgelegt. Möglich wurde der Report durch Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ein Fazit: Die historischen Parkanlagen sind im Klimastress.

Osnabrück. Zum ersten Mal wird heute (Freitag) von der Technischen Universität (TU) Berlin für Deutschland ein Klima-Parkschadensbericht vorgelegt: Niemals zuvor gab es eine solche systematische bundesweite Untersuchung zu den Folgen der Klimakrise für Parkanlagen und Gärten. Möglich wurde der Report durch fachliche und finanzielle Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Ein Fazit: Die historischen Parkanlagen sind im Klimastress. „Wir müssen viel konsequenter handeln, damit die Lage nicht noch schlimmer wird“, fordert DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

59 Prozent aller Bäume in den bundesweit untersuchten Parks sind beeinträchtigt

Die nun vorliegende erstmals umfassende nationale Auswertung durch Forscherinnen und Forscher der TU Berlin beschreibt den Ist-Zustand der historischen Parks in Deutschland im Jahr 2022. Ergebnis: Von den 157.323 erfassten Bäumen waren 64.202 Exemplare, also rund 41 Prozent, vital und kaum beeinträchtigt. Jedoch waren etwa 50 Prozent, das sind 78.522 Bäume, leicht bis mittelstark betroffen. Und 14.598 Gehölze (neun Prozent) waren schwer beschädigt oder gar tot. Kurzum: Im Jahr 2022 zeigten 59 Prozent aller Bäume in den untersuchten Parkanlagen Beeinträchtigungen. Besonders betroffen mit einem Anteil von 90 bis 100 Prozent geschädigter Bäume waren Parks in Liebenstein, Wiesbaden, Lichtenwalde sowie der Jenischpark in Hamburg und Park Schönfeld in Kassel. Außerdem wurden in acht Parks die Vitalität der Bäume 2017 und 2020 miteinander verglichen: In allen Anlagen nahm die Gesundheit der Pflanzen in diesem Zeitraum ab. Während es im Englischen Garten in München zwar kaum Veränderungen gab, mussten aber unter anderem Park Sanssouci in Potsdam einige und der Große Garten in Dresden sowie der Park in Schwetzingen enorme Verluste hinnehmen. Noch etwas fördert der Parkschadensbericht zutage: Fremdländische Baumarten kommen mit dem Klimastress besser zurecht als heimische Pflanzen.

Spektraldaten der ESA-Raumfahrtmission Sentinel-2 helfen beim Parkschadensbericht

Grundlage des Parkschadensberichts über den Ist-Zustand 2022 waren Untersuchungen für die Jahre 2018 bis 2020, die infolge des Klimawandels verstärkt von Hitzeperioden und Orkanen geprägt waren. Der nationale Report skizziert die Auswirkungen auf 62 Parkanlagen in elf Bundesländern. „Es ist höchste Zeit für Strategien zum Erhalt der Bäume und Gehölze in den historischen Parkanlagen“, fordert Projektleiter Prof. Dr. Norbert Kühn von der TU Berlin. Neben der Berechnung klimatischer Wasserbilanzen sind die Vitalität einzelner Baumarten sowie der Zustand der Parkanlagen insgesamt unter die Lupe genommen worden. Geholfen haben dabei sowohl digitalisierte Katasterdaten als auch Spektraldaten der Raumfahrtmission Sentinel-2 des Copernicus-Programms der europäischen Raumfahrtbehörde ESA.

Historische Gartenanlagen ein Trumpf fürs Stadtklima

„Es handelt sich hier keineswegs um ein Elite-Problem“, betont Projektleiter Kühn. Und es geht nach seinen Worten auch nicht allein um den Erhalt von Kulturgut. Parks und Gärten seien nämlich noch für zwei andere Bereiche enorm wichtig: für Biodiversität und zur Klimaadaptation. Die für den Parkschadensbericht ausgewerteten Katasterdaten belegen Kühns Hinweis: Demnach erweisen sich die 62 untersuchten Parks und Gärten als Hotspots biologischer Vielfalt: Registriert wurden 543 verschiedene Baumarten und Hybriden – bundesweit existieren lediglich 92 heimische Baumarten. Kühn ergänzt: „Viele Parkanlagen und Gärten sind stadtnah, spenden Schatten, sorgen für Verdunstung und bieten gerade in Hitzeperioden besonders in städtischen Ballungsräumen wie Charlottenburg und Potsdam Kühlung. Das alles ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Gesundheit der Menschen“, so der Leiter des Fachgebiets Vegetationstechnik und Pflanzenverwendung an der TU Berlin. DBU-Expertin Constanze Fuhrmann verweist in dem Zusammenhang auf die Bedeutung der historischen Gärten „für eine klimaresiliente Entwicklung“. Fuhrmann: „Historische Gartenanlagen fungieren als Senken für das klimaschädliche Kohlendioxid. Sie filtern Luftschadstoffe und haben eine positive Wirkung auf das Stadtklima.“

Kühn: Künftige Gestaltung von Parks und Gärten mit Flaum-Eiche, Blumen-Esche und Hopfenbuche

DBU-Generalsekretär Bonde verbindet mit der heutigen Premiere des Parkschadensberichts eine Hoffnung: „Idealerweise entwickelt sich daraus eine regelmäßige Analyse – analog zum Waldzustandsbericht. Nur so sind Strategien für den Erhalt der Naturjuwele möglich.“ Nach seinen Worten sind die Ergebnisse des Parkschadensberichts „auch Handlungsauftrag, weil tiefgreifende Veränderungen für Mensch, Natur und Kulturgut drohen“. Projektleiter Kühn fordert derweil, „aus dem Parkschadensbericht die richtigen Schlüsse zu ziehen“. Das Thema müsse „politisch ernst genommen“ werden. Dazu gehört Kühn zufolge „mehr Geld für den Erhalt von Parks und Gärten“. Der Projektleiter weiter: „Das heißt aber auch, die künftige Gestaltung von Parkanlagen zu überdenken. Benötigt werden vermehrt Baumarten, die Hitzestress und Trockenheit vertragen – etwa die sogenannten „nearly natives“ also Arten, die aus südlich angrenzenden Gebieten stammen und im Zuge der Klimaveränderung über kurz oder lang sowieso bei uns einwandern würden. Flaum- und Zerr-Eiche zählen ebenso dazu wie Blumen-Esche, Hopfenbuche und Silber-Linde.“




Ressort: Energie und Umwelt

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