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Antibiotikaproduktion züchtet Resistenzen

(stock)

Umweltstandards als zwingende Zulassungsbedingung

Die katastrophalen Bedingungen bei der Antibiotikaproduktion z.B. in Indien züchten geradezu Antibiotikaresistenzen heran. Die AefU fordern vom Bundesrat und von Swissmedic, die Zulassung von Medikamenten, die Antibiotika enthalten, an verbindliche Umweltstandards zu knüpfen.

Die WHO beurteilt die zunehmende Antibiotikaresistenz inzwischen als «eine globale Gesundheitskrise». Die Eidgenössische Kommission für biologische Sicherheit nennt sie die «grösste Bedrohung für die Gesundheit in der Schweiz». Für die Resistenzen verantwortlich gelten vor allem die Landwirtschaft und die Humanmedizin als grösste und teils übermässige Verbraucherinnen von Antibiotika. Unbeachtet bleibt in der Regel der Beitrag der Antibiotikaproduktion an die Zunahme multiresistenter Keime.

Superresistente Keime aus der Antibiotikaproduktion

Das Antibiotikum, das wir verschrieben erhalten, stammt heute oft aus Asien. Ein Zentrum der Antibiotikaproduktion ist die indische Stadt Hyderabad. Dort lassen Firmen aus der ganzen Welt u.a. ihre Generika in grossen Mengen herstellen. Die Fabriken vor Ort leiten ihre Produktionsabwässer mit den verschiedensten Antibiotika ungereinigt in die Umwelt. Das ‹Erste Deutsche Fernsehen› hat im Mai 2017 in einem Filmbeitrag aufgezeigt, wie sich in den antibiotikaverschmutzten Flüssen und Seen Keime zu Supererreger entwickeln, die gegen alles resistent sind, was die heutige Medizin zu bieten hat.1

Christoph Lübbert, Leiter des Fachbereichs Infektions- und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig (D) hat im Auftrag der ARD die Gewässer bei Hyderabad untersucht. Sein Fazit im Film ist verheerend: «Solange wir diese Probleme» in Indien «nicht lösen, können wir mit den Antibiotika in Deutschland» – oder der Schweiz – «noch so sinnvoll umgehen, wir haben noch immer den Import dieser Problemerreger». Die billige Antibiotikaproduktion, z.B. in Indien, schafft also laufend resistente Krankheitserreger, gegen welche die Antibiotika eigentlich gedacht sind. Die Pharmakonzerne spielen damit ein doppeltes Spiel: Vordergründig brüsten sie sich ihres Beitrags an die Weltgesundheit. Gleichzeitig sind sie durch ihre missliche Antibiotikaproduktion mitverantwortlich an der aktuellen Gesundheitskrise. AefU-Präsident Dr. med. Peter Kälin spricht Klartext: «Die Billigproduktion der Pharmafirmen gefährdet die Gesundheit, hier und weltweit».

Antibiotikastrategie des Bundes streift Produktion bloss am Rande

Die 78-seitige ‹Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz› (Star) des Bundes will die Resistenzenbildung bekämpfen. Sie widmet den Produktionsbedingungen von Antibiotika gerade einmal eine Seite. Unter dem Titel «Prävention» steht, es gelte, den «Eintrag von Antibiotika, Resistenzgenen und resistenten Bakterien aus Forschungs- und Produktionseinrichtungen in die Umwelt» zu «reduzieren». Mit welchen Massnahmen dies konkret erreicht werden soll, danach suchten die AefU in der Antibiotika-Strategie des Bundes vergeblich.

Umweltstandards als Zulassungsbedingung in der Schweiz

Von den Zulassungsbehörden auferlegte Qualitätsstandards für die Wirkstoffe von Medikamenten sind üblich. Die AefU fordern, dass diese Qualitätsstandards bei den Antibiotika mit verpflichtenden Umweltauflagen für die Produktion ergänzt werden: Die Pharmafirmen, die in der Schweiz Antibiotika-haltige Medikamente verkaufen wollen, müssen gegenüber der Zulassungsbehörde Swissmedic nachweisen, dass bei der Herstellung jedes ihrer Antibiotika kein Wirkstoff via Abwasser, Abluft und Abfall in die Umwelt gelangt. Nur unter dieser Bedingung lässt Swissmedic den Verkauf von Antibiotika, in der Schweiz zu. Bei jeder Produktionsänderung muss der Nachweis umgehend neu erfolgen. Dies gilt auch für Medikamente mit Antibiotika, die bereits zugelassen sind: Innerhalb von zwei Jahren muss der entsprechende Nachweis nachgereicht werden, ansonsten wird dem Produkt die Zulassung entzogen.

Die AefU fordern von Bundesrat und Swissmedic, verbindliche Umweltstandards für die Antibiotikaproduktion zu formulieren und sie umgehend als Bedingung für die Antibiotika-Zulassung in der Schweiz anzuwenden.

Tags: Multiresistente Erreger

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