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ver.di in allen Lebenslagen? Ich habe Anderes erlebt…

Der Konstanzer Dennis Riehle, der aufgrund einer gesundheitsbedingten Erwerbsunfähigkeit seit drei Jahren nicht mehr arbeiten kann, ist ein rundum sozialer Mensch. Er engagiert sich in der Psychosozialen Beratung, in Menschenrechtsorganisationen, parteilich und weltanschaulich.

Und nicht zuletzt ist er auch Mitglied in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), nachdem er auch darin einen Ort gesehen hat, an dem mit Beschäftigten in allen Lebenslagen fair und anerkennend umgegangen wird – auch dann, wenn sie aus dem Berufsleben ausgeschieden sind und sich trotzdem weiterhin für den Gedanken des Zusammenschlusses der arbeitenden Klasse einsetzen möchten. Deshalb war es Riehle auch ein Anliegen, sich in den Reihen von ver.di für die Anliegen von erwerbslosen Menschen einzubringen – doch er ist damit gescheitert.

„Es wirkt auf mich überaus befremdlich, dass ich offenbar aufgrund meiner Erwerbsminderung von einer Fachgruppe zur nächsten verwiesen wurde. Als gelernter Journalist und Psychologischer Berater habe ich sowohl im Arbeitskreis zu Kultur und Medien, aber auch in jedem zu Gesundheit und Sozialpolitik eine Abfuhr erhalten. Mit meiner derzeitigen Lebenssituation passe ich nicht in deren Portfolio, teilte man mir mit. Und so bin ich von einem Kontakt zum anderen verschoben, doch letztlich in keinem der Fachkreise aufgenommen worden. Und das wiederholte Angebot, mich ehrenamtlich mit meinen Erfahren in der Sozialberatung engagieren zu wollen, liegt bei ver.di weiterhin in der Schublade. Schlussendlich muss man sagen: Da wollte mich niemand!“.

Für Riehle ist diese Erkenntnis bitter, denn er hatte damit gerechnet, dass eine Gewerkschaft auch gerade dann zu den Menschen steht, wenn sie sich in prekären Alltagssituationen befinden, beispielsweise krank oder behindert sind. Doch offenbar hat sich der 36-Jährige getäuscht: „Teilweise glich die Abweisung schon einem strukturierten Mobbing. Ich weiß nicht, ob ich damit der Einzige bin, der solch etwas innerhalb von ver.di erlebt hat. Aber erstaunlich ist es für eine der seit längstem bestehenden Bewegungen für sozial Schwache schon, dass man gerade für diejenigen keinen Platz sieht, die derzeit nicht arbeiten können. Da schwingt schon ein gewisser neoliberaler Hauch mit, den ich eigentlich von einer Gewerkschaft so nicht vor Augen habe“.

Riehle hat sich nach Aussagen wie „Da wenden Sie sich besser an einen anderen Fachbereich“, „Leider besteht für ehrenamtliches Engagement bei uns kein Bedarf“ oder „Das ist mit ihrem Lebenslauf durchaus schwierig, bei uns unterzukommen“ nun letztlich dazu entschlossen, Mitgliedschaft und Engagement für ver.di auf den Prüfstand zu stellen: „Ich empfinde die Erlebnisse in der Gewerkschaft durchaus als diskriminierend. Natürlich verstehe ich, dass sie sich in erster Linie für Menschen einsetzt, die im Arbeitsleben stehen. Eigentlich war ich aber doch davon ausgegangen, dass über solch einer geschichtsträchtigen Organisation und einem Gedankengut, dass schon Jahrhunderte überlebt und sich stets an alle gerichtet hat, die es im Beruf nicht immer leicht hatten und um ihre Rechte kämpfen mussten, ein gewisser Geist der Solidarität schwebt. Ich habe ihn leider nicht zu spüren bekommen, ganz im Gegenteil“.

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