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66 Tage offline für die Masterarbeit

PM HTWG Influencerin Meixner Porträt

Influencerin Linda Meixner wagte an der HTWG Konstanz den Selbstversuch

Linda Meixner arbeitet normalerweise als Influencerin mit derzeit 93 000 Followern auf Instagram. Für ihre Masterarbeit in den Studiengängen Kommunikationsdesign der HTWG Hochschule Konstanz hat sie 66 Tage auf ihr Smartphone verzichtet, diesen Selbstversuch therapeutisch begleiten lassen und ein Buch gestaltet, in dem sie ihre Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und gestalterische Inspiration bündelt: das »Offline-Manifest«.

Sie selbst hat von ihrer Auszeit messbar profitiert: besserer Tiefschlaf, gesteigerte Konzentration, mehr Kreativität. Und sie hat gelitten, vor allem darunter, weniger Kontakt zu Familie und Freunden zu haben. Denn eigentlich hat Linda Meixners Insta-Karriere genau damit begonnen: Die fröhliche blonde Frau aus dem Montafon, die gerne Ski fährt, wandert, die Berge liebt und fotografiert hat ihre Bilder mit Freunden geteilt, irgendwann den Account öffentlich gemacht – und einen Nerv getroffen. Die Impressionen aus Lindas Welt, das strahlende Lachen, die Berg-Idylle, diese Mischung kommt an in einer gestressten Welt. Und wohl der Instinkt der Community, dass das alles nicht nur inszenierte Model-Fotos sind. Es gibt sie wirklich, diese Linda aus den Bergen in Gargellen. Sie lacht gerne und ansteckend. Und sie kann unfassbar gut Ski fahren. Schnell war die Follower-Zahl fünfstellig, schnell wurden Unternehmen auf Linda Meixner aufmerksam und die einstige Marketing-Managerin, die sich entschieden hatte, doch noch ihren Master an der HTWG Konstanz zu machen, hatte einen lukrativen und glamourösen Nebenjob mit einem fantastischen Terminkalender: Heli-Skiing in Georgien und Kanada, Land-Rover-Tour im Busch von Afrika, Promi-Termine im Skiwinte.

Der Moment, in dem sie merkte »Ich bin zu viel am Telefon«, fiel eher zufällig in die Zeit, als sie begann, mit ihrer Professorin Judith M. Grieshaber ein Thema für ihre Abschlussarbeit zu suchen. Viel haben sie geredet, die beiden, und dann eine radikale Idee entwickelt: 66 Tage offline. Ein harter Schnitt, persönlich und in Linda Meixners Fall auch beruflich. Warum 66 Tage? Sie antwortet nüchtern: »Wissenschaftler sagen, der Mensch braucht mindestens 66 Tage, um Gewohnheiten dauerhaft zu verändern«. Für sie war es eine Art kalter Entzug von einer Sucht, derer sie sich gar nicht bewusst war. Viele Phasen hat sie durchlebt in einem Prozess, den sie noch nicht für abgeschlossen hält. Die dunklen waren dominiert von Langeweile und einer großen Angst vor Kontaktverlust. »Ich habe mich dabei ertappt vor dem Fernseher an den Fingernägeln zu kauen.« 35 Tage habe es gebraucht bis es ihr gleichgültig war, wenn sie das Smartphone gesehen hat. Doch sie hat auch wieder zu sich gefunden: »Ich habe gemerkt, wie sehr mir das gefehlt hat selbst zu gestalten.« Sie hat meditiert, mit Fingerfarben gemalt, im Garten gearbeitet, Seifenblasen nachgeschaut, Zeit gehabt für jene Berge, aus denen sie kommt, denen sie ihren Erfolg zu verdanken hat und die letztlich zu sehr Fotomotiv und zu wenig Ort des Erlebens waren.

Um der Arbeit ein wissenschaftliches Fundament zu geben, hat Meixner die Selbstbeobachtung professionell durch eine systemische Therapie ergänzt, deren Ergebnisse sie mit anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen in ihrem Offline-Manifest bündelt. Im Nachhinein macht sie drei Phasen aus: die erste, in der sie unter extremer körperlicher und geistiger Spannung stand; eine zweite Phase, in der sie ihre Körperlichkeit wiedergefunden hat, »echte« Verbindungen und Gefühle wiederentdeckt hat und eine dritte Phase, die noch andauert und eine Linda Meixner hervorgebracht hat, die ganz anders im Leben steht, andere an die Hand nehmen möchte und die unterdessen zwei Telefone besitzt. Ihr Smartphone und ein »Light-Phone« mit elementaren Funktionen.

Denn den Kontaktverlust möchte die 31-Jährige nicht noch ein zweites Mal erleben, allerdings weiter auf einen bewussten Umgang mit dem Gerät achten. Sie nimmt sich einzelne Detox-Tage. Achtet auf die Bildschirmzeit, die ihrer Ansicht nach im privaten Gebrauch nicht über zwei Stunden liegen sollte. Und sie definiert handyfreie Orte: das Schlafzimmer, die Couch – und, ja, die Toilette. Denn die meisten Menschen nehmen auch dorthin ihr Handy mit, das zu unserem intimsten Begleiter geworden ist. Zwei Monate des Jahres verbringt ein Mensch mit einer durchschnittlichen Nutzungszeit von vier Stunden am Tag am Handy.
Für all diese Menschen arbeitet sie nun an der Veröffentlichung des Buches, das sie selbst illustriert hat und in dem der Ausschalt-Knopf mit viel zeichnerischer Ironie eine fast biblische Dimension annimmt. In Leinen gebunden, fotografisch einfühlsam ergänzt und typografisch fein gesetzt, ist das »Offline Manifest« Erfahrungsbericht, Handbuch und Ratgeber. Und es lässt uns immer wieder über Sätze nachdenken wie den folgenden: »Das Leben ist das, was um dich herum geschieht, während du damit beschäftigt bist es in deinem Smartphone zu suchen.«

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