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Je spleeniger, desto beliebter: Berühmte Maler und ihre Marotten
In das Leben berühmter Künstler einzutauchen, kann sehr erhellend sein. Hier: immersive Kunst von Gustav Klimt im digitalen Zentrum „Phoenix des Lumières“ in Dortmund ©Culturespaces / Vincent Pinson
  • 13. Dezember 2022

Je spleeniger, desto beliebter: Berühmte Maler und ihre Marotten

Von Carolin Ameskamp | tts agentur05 GmbH

Paris/Dortmund  — Künstler und Künstlerinnen gelten eher als exzentrische Menschen. Psychologen fanden in einer Studie heraus, dass deren Werke beim Publikum oft besser ankommen als jene von vermeintlich „normalen“ Kollegen und Kolleginnen*1. Es lohnt sich also, einen Blick auf das Leben einiger berühmter Kunstschaffender zu werfen, um ihre Werke besser begreifen zu können. Die Kunstexperten von „Phoenix des Lumières“, einem neuen digitalen Kunstzentrum, das Ende Januar 2023 in Dortmund Premiere feiert, sind in die Welt von Klimt, Van Gogh und Co. eingetaucht und haben Erstaunliches zutage gefördert.

Gustav Klimt: Warum reden, wenn man auch schreiben kann?

26 Jahre waren der österreichische Maler Gustav Klimt (1862–1918) und die Modeschöpferin Emilie Flöge (1874–1952) unzertrennlich. Für die Kommunikation griff der berühmte Jugendstil-Künstler zu einer besonderen Technik. Er schrieb seiner Geliebten Hunderte von Postkarten - und zwar egal, ob er auf Reisen war oder sich die beiden gemeinsam in Wien aufhielten. Bis zu vier Nachrichten bekam Emilie so pro Tag. Darunter konnte auch eine Einladung zum Theater am Abend sein. Der Postkarten-Nachlass liefert Kunsthistorikern heute Aufschluss über die Persönlichkeit des berühmten Malers. In die Welt des Gustav Klimt eintauchen können Besucher des „Phoenix des Lumières“ in Dortmund ab 28. Januar 2023. Die immersive Ausstellung schafft ein eindrucksvolles künstlerisches Raum- und Klang-Erlebnis und zeigt die ikonischen Werke des Malers großformatig und aus ganz neuen Perspektiven (www.phoenix-lumieres.com).

Andy Warhol: Die Quasselstrippe

Das Erste, was der legendäre Popartkünstler Andy Warhol (*1928) von 1967 bis zu seinem Tod 1987 an jedem Wochentag machte, war zum Hörer greifen und seine langjährige Freundin und Mitarbeiterin Pat Hackett anrufen. Zu besprechen hatte der Einwanderersohn Andrew Warhola, der 1928 in Pennsylvania geboren wurde, genug – er ließ in der New Yorker Szene kaum eine Party aus. Hackett notierte die Ereignisse des Tages und machte daraus ein Tagebuch – zum einen als Ausgaben-Nachweis für das Finanzamt, zum anderen schuf sie damit ein intimes Porträt Warhols („The Andy Warhol Diaries“, 1989).

Pablo Picasso: Hände hoch!

Inspiriert vom umstrittenen französischen Schriftsteller Alfred Jarry, der Ende des 19. Jahrhunderts bei jungen, in Paris ansässigen Künstlern Kult war, trug Pablo Picasso (1881-1973) um diese Zeit eine mit Platzpatronen gefüllte Pistole bei sich. Wie sein Idol, das aus Protest auf unliebsame Personen gern einmal einen Schuss abgab, nutze auch Picasso diesen symbolischen Akt, um seine Langeweile über Menschen auszudrücken, die die Bedeutung seiner Kunst infrage stellten. Bekannt sind Fotos von Picasso in seinem berühmten Ringelshirt mit einem Revolver in der Hand.

Salvador Dalí: Wenn die Kreativität erwacht

Um möglichst tief in die Weiten des Surrealen einzutauchen, nutzte der spanische Künstler Salvador Dalí (1904-1989) ein besonderes Werkzeug, den hypnagogischen Schlaf. Die These: In dem kurzen Moment vor dem Einschlafen zwischen Bewusstsein und Träumen ist der Verstand weitestgehend ausgeschaltet und es entsteht Platz für freie Ideen, derer man sich in der Wachphase erinnert und die als Vorlage für neue Kunstwerke dienen. Dalís Technik: Den täglichen Mittagsschlaf machte der Künstler stets mit einem Löffel zwischen Daumen und Zeigefinger und einem Teller, der direkt darunter auf dem Boden stand. Entspannte sich der Körper kurz vor dem Einschlafen, fiel der Löffel auf den Teller und erzeugte ein Geräusch, dass den Künstler genau in dem Moment des hypnagogischen Zustands aufwachen ließ.

Vincent van Gogh: Genie und Wahnsinn

Ist Vincent van Gogh (1853-1890) als Begründer der modernen Malerei in erster Linie durch seine Kunst bekannt? Oder hat ihn erst die Geschichte um den Verlust seines Ohres berühmt gemacht? Der Niederländer, der erst mit 27 Jahren seine Bestimmung in der Kunst fand und bereits mit 37 Jahren starb, führte ein turbulentes Leben, das von Ängsten und Depressionen geprägt war und in einem spektakulären Akt der Selbstzerstörung gipfelte: Am 23. Dezember 1888 schnitt sich Van Gogh Teile seines linken Ohres ab. Manche glauben, dass ein Streit mit seinem Künstlerkollegen Paul Gauguin ihn dazu getrieben hat. Einige glauben sogar, dass Gauguin der Täter war. Wie auch immer, van Gogh konnte sich an nichts erinnern und lieferte sich nach dem Vorfall selbst in eine Nervenheilanstalt ein. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Selbstporträts. Zwei Jahre später setzt er seinem Leben ein Ende.


Ressort: Bildung und Kultur

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