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Rückbau von Fessenheim läuft mit bloss minimalen Vorsichtsmassnahmen

kkw ©Gerald Kaufmann

Die Electricité de France hat dem Trinationalen Atomschutzverbands (TRAS) mehr als 100 Dossiers zu den Sicherheitsvorkehrungen für den Rückbau des Atomkraftwerks Fessenheim überstellt. Die Entfernung der Brennstäbe läuft nach Plan. Die EDF erfüllt nur in minimalem Ausmass die von der Aufsichtsbehörde verlangten Risikovorkehrungen; bei der Sicherheit und bei der Transparenz bestehen grosse Lücken.

Der Schweizer Experte Dr. André Herrmann, ehemalige Präsident der Eidgenössischen Strahlenschutzkommission, hat die von der EDF übermittelten Dossiers analysiert. «Es zeigt sich, dass viele Schwachstellen, die seit dem Unfall von Fukushima von der französischen Aufsichtsbehörde kritisiert wurden, auch beim Rückbau ohne Sicherheitsvorkehrungen hingenommen werden.» 

Die Betreiberin EDF hat die Notkühlung mittels Einbau einer neuen Grundwasserpumpe verstärkt; dies wird vom Experten begrüsst, «reicht aber nicht aus», so Herrmann. Ein schneller Wasserverlust der Brennelemente-Becken durch Rissbildung und die offensichtliche Schwierigkeit des Einsatzes der FARN (Force d'Action Rapide Nucléaire) nach einem Erdbeben werde nicht berücksichtigt. 

Unter den übrigen Risiken werden kritisch taxiert: 

  • Die Risikoabschätzungen der EDF berücksichtigen nicht das noch bis 2023 in den Kühlbecken vorhandene radioaktive Potenzial der abgebrannten Brennstäbe.
  • Die Grundlagen zur Beurteilung des seismischen Risikos und der Beschleunigungsspektren von 2011 entsprechen nicht den aktuellen Erfordernissen wie sie bei anderen Atomanlagen in Frankreich zur Anwendung kommen. Die Empfehlungen der französischen Aufsichtsbehörde IRSN[1] wurden trotz des Drängens der ASN ignoriert.
  • Die spezifischen Bodeneigenschaften am Standort Fessenheim wurden nicht – wie von der ASN ursprünglich verlangt – neu erfasst und bewertet.
  • Der Verbleib der sechs radioaktiv kontaminierten alten Dampfgeneratoren ist ungeklärt. Im ursprünglichen Stilllegungsplan wurde der mögliche Neubau von zwei neuen Lagergebäuden für die noch in den Reaktoren stehenden Dampfgeneratoren erwähnt. Zum Verbleib dieser radioaktiv stark kontaminierten Anlageteile macht die Betreiberin Electricité de France (EDF) keine verbindlichen Angaben.
  • Der Rückbauplan wurde mit Sicherheitsmargen von zusätzlich neun Monaten für die vollständige Entfernung der Brennstäbe und von zusätzlichen sechs Jahren für die Gültigkeit des Rückbaudekrets präzisiert; werden diese ausgeschöpft, würde sich die Entfernung der Brennstäbe bis ins Jahr 2024 erstrecken. Bis zum Ende des 1. Quartals 2021 wurden 25 Prozent der Brennstäbe entfernt.

Der unabhängige Experte äussert folgende Wünsche und Empfehlungen an die Betreiberin EDF:

  • Die Anwohnerinnen und Anwohner haben ein Recht auf Transparenz über die Ergebnisse der Echtzeit-Radioaktivitätsmessungen. Die offizielle Website (https://www.mesure-radioactivite.fr) gibt nur sporadische und selten aktuelle Werte an.
  • Während der Vorbereitung zum Rückbau müssen die Ergebnisse der Überwachungsmessungen der Abklingbecken (Radioaktivität, Temperatur, Wasserstände) regelmässig veröffentlicht werden.
  • Während des Rückbaus müssen die Ergebnisse der Überwachungsmessungen (Emissionen und Immissionen) regelmässig veröffentlicht werden, um die Einhaltung der Grenzwerte in Echtzeit nachzuweisen.

TRAS bedauert, dass die EDF die Forschungsarbeiten in Fessenheim auf Stilllegungsaspekte beschränkt und die Möglichkeit vernachlässigt, die Kenntnisse über die Alterung wichtiger Komponenten von Kernkraftwerken grundlegend zu verbessern. Dies gilt umso mehr als die Schweizer Aufsichtsbehörde Ensi alle ihre Anstrengungen darauf ausrichtet, die Laufzeiten der Schweizer Atomkraftwerke und damit die Gefährdungszeit der Bevölkerung zu maximieren.

Die Expertisen von André Herrmann können auf Deutsch und auf Französisch im Internet abgerufen werden:

 

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