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Das steckt alles im Alt-Handy, das Du jetzt auch bei Aldi fair entsorgen kannst

GRAFIK DESTATIS 2020

Seit 1. Juli müssen nun auch Lidl, Aldi und Co. Elektroschrott annehmen. Das Recycling würde sich lohnen: Viele wertvolle Metalle stecken in alten Handys oder Computern. Doch es mangelt noch sichtbar an Engagement bei Händlern und Verbrauchern.

Die Kassiererin bei Lidl in Berlin-Lichtenberg versteht nur Bahnhof: „Elektrogeräte wollen Sie hier abgeben? Wieso das denn?“ Von der neuen Annahmepflicht für Elektroschrott im Supermarkt weiß man hier in Lichtenberg nichts. Nach Rücksprache mit der Filialleitung meint die Angestellte, dass man seine alten Geräte gerne bei ihr an der Kasse abgeben könne. Scheinbar hat hier in den drei Wochen seit Inkrafttreten des Gesetzes noch nie jemand sein altes Handy oder den kaputten Toaster vorbeigebracht.

Auch andere Supermarkt-Ketten antworten auf Nachfrage verhalten bis zögerlich. „Das Recycling von Elektrogeräten muss endlich richtig in Schwung kommen“, fordert Eric Schweitzer, Chef des Umwelt- und Recyclingunternehmen ALBA. Nur etwa knapp 44 Prozent der verkauften elektronischen Produkte wurden laut Umweltbundesamt (UBA) bislang wieder korrekt zurückgegeben. Schweitzer: „Die Rücknahmepflicht kann für mehr Motivation sorgen, ist aber bei Konsumenten und Händlern noch nicht recht verinnerlicht. So landet der Großteil der alten Elektrogeräte höchstwahrscheinlich in der Restmülltonne und damit in den Öfen der klimaschädlichen Müllverbrennungsanlagen.“ Oder, so vermutet das UBA, alte Laptops und Handys werden  als Gebrauchtgeräte getarnt von dubiosen Händlern in Entwicklungsländer exportiert, wo sie letzten Endes mangels moderner Recycling-Strukturen die Umwelt und die Gesundheit der Menschen schwer belasten. Das wäre dann alles andere als Fairtrade.

Discounter und Großdrogerien: vom Haartrockner bis zum Plasma-Schneider alles im Angebot

Seit 1. Juli müssen nun also auch große Supermärkte alte Elektrogeräte annehmen, um die Sammelquote zu steigern. Voraussetzungen laut Paragraf 17 des Elektrogerätegesetzes: 

  • Die Ladenfläche muss größer als 800 Quadratmeter sein, 
  • die Geräte dürfen wie etwa ein Handy, Toaster oder Wasserkochen keine längere Kantenlänge als 25 Zentimeter haben,
  • bei größeren Geräten muss der Händler das Altgerät beim Neukauf eines Geräts der gleichen Art ebenfalls umsonst zurückzunehmen
  • und die Märkte haben regelmäßig selbst Elektrogeräte im Sortiment. Das dürfte wohl auf die meisten Filialen der Discounter, Großdrogerien und großen Supermärkte zutreffen, die vom Haartrockner bis zum Plasma-Schneider mittlerweile alles feilbieten. 

Die Großgeschäfte haben die Möglichkeit, alle Altgeräte dann wiederum kostenfrei bei einem lokalen Wertstoffhof abzugeben.

Pflicht zur Mülltrennung: Zehn Kilo Elektroschrott pro Einwohner im Jahr

Der Gesetzgeber hat die Elektrogeräte schon seit gut 20 Jahren im Visier: Die EU schrieb die Mülltrennung von Elektrogeräten schon ab 2003 in der Elektro- und Elektronik-Altgeräte-Richtlinie vor. Deutschland setzte die Richtlinie 2005 mit dem Elektrogerätegesetz um. Der Bundestag hat dieses zuletzt 2021 geändert. Die Novelle trat am 1. Januar dieses Jahres in Kraft. 

2019 kamen in Deutschland immerhin rund 950.000 Tonnen Elektroaltgeräte zusammen, listet das Bundesumweltministerium auf. 2020 waren es schon rund 1,0 Millionen Tonnen, also etwa ein Zuwachs von 50.000 Tonnen. Doch der Zuwachs beim Recycling trügt, denn die Zahl der neu verkauften Geräte steigt viel stärker als die der zurückgegebenen: Mit 2,6 Millionen an Privatkunden verkauften Elektrogeräten waren es 2020 rund 250.000 mehr als im Jahr zuvor. 

Fast 90 Prozent der Altgeräte stammen aus Privat-Haushalten – also rund 10 Kilogramm pro Einwohner im Jahr. Etwas mehr landet wohl unsortiert im Restmüll. „Eine krasse Verschwendung“, mahnt ALBA-Chef Schweitzer: „Denn Smartphones, Laptops oder alte Fernseher enthalten wertvolle Metalle und andere Rohstoffe, die wiederverwendet werden können. Das schont Ressourcen und Umwelt.“ Häufig enthalten Elektrogeräte aber auch Schadstoffe. Diese gefährden wiederum Gesundheit und Natur, wenn sie achtlos in die Restmülltonne geworfen werden. Daher ist es sinnvoll, Elektroaltgeräte getrennt zu sammeln.

Und: Die Verbraucher sind laut Gesetz verpflichtet, Elektroaltgeräte abzugeben. Das Entsorgen in der schwarzen oder gelben Tonne ist verboten. Je nach Bundesland drohen bei falscher Entsorgung empfindliche Bußgelder. In Hessen etwa bis zu 2.500 Euro.

Elektroschrott sammeln: Seit Juli müssen auch Aldi, Lidl und Co. mitmachen

In Deutschland sind die Kommunen verpflichtet, Sammelstellen für Elektro-Altgeräte einzurichten und diese dort grundsätzlich kostenlos zurückzunehmen. Etwa 2.400 Sammelstellen gibt es derzeit – vom Wertstoffhof bis zum Sammelcontainer. Bereits seit Juli 2016 sind Elektronik-Märkte mit einer Ladenfläche von mehr als 400 Quadratmetern zur kostenlosen Rücknahme von Altgeräten verpflichtet. Seit Juli nun auch die großen Supermärkte. 

Je nach Kategorie des Elektrogeräts schreibt das Gesetz Verwertungsquoten zwischen 75 und 85 Prozent vor. Aber das ElektroG fordert auch Quoten für die Vorbereitung zur Wiederverwendung und des Recyclings von bis zu 80 Prozent. 2019 hat Deutschland diese Quoten erreicht. Allerdings stagniert die Rückholquote der Elektrogeräte wie oben beschrieben bei nur etwa knapp 44 Prozent. Und damit gehen eine Menge wertvoller Rohstoffe verloren. Die EU fordert eine Quote von 65 Prozent.

Pures Gold: Elektroschrott richtig entsorgen lohnt sich

Tonnenweise Eisen, Kupfer und Aluminium gehen Deutschland also weiter durch die Lappen. Aber auch eine Menge Edel- und Sondermetalle, die vor allem in Computern und Handys verbaut sind: Silber und Gold etwa, aber auch Palladium, Indium, Tantal oder Platin. Laut Umweltbundesamt stecken beispielsweise in einer Tonne Handys etwa 250 Gramm Gold. Man müsste die Handys nur im Supermarkt abgeben, dann wäre Goldschürfen so leicht wie nie. Denn, zum Vergleich: Eine Tonne Golderz enthält nur etwa fünf Gramm Gold, die aber wiederum viel energieintensiver gefördert werden muss.

Um diese Edelmetalle im Bergbau zu schürfen, benötigt man viel Energie. Und oft kommen in den unterentwickelten Förderländern ausschließlich fossil befeuerte Kraftwerke zum Einsatz, die mit ihrem immensen CO2-Ausstoß das Klima schädigen. Der Energieaufwand beim Recycling der Altgeräte hingegen beträgt nur einen kleinen Bruchteil dessen und wird in Deutschland mittlerweile zumeist mit erneuerbaren Energien bewerkstelligt. 

Wer seinen Elektroschrott richtig entsorgt, verhält sich also nicht nur gesetzeskonform, sondern schont Klima, Umwelt und Gesundheit. Es lohnt sich – auch bei Lidl in Berlin-Lichtenberg.

Schon gesehen? Neue Civey-Umfrage von ALBA zur Mülltrennung inkl. Links zur Einbettung auf Ihrer Website:

Gut gemeint: Große Mehrheit trennt den Müll und schadet dennoch dem Klima

https://www.alba.info/unternehmen/newsroom/pressemitteilungen/detail/gut-gemeint-grosse-mehrheit-trennt-den-muell-und-schadet-dennoch-dem-klima/ 

 

Quellen

www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/elektroaltgeraete#aktuelle-herausforderungen
de.wikipedia.org/wiki/Elektro-_und_Elektronikger%C3%A4tegesetz
www.gesetze-im-internet.de/elektrog_2015/BJNR173910015.html#BJNR173910015BJNG000300000
www.elektrogesetz.de/stichtag-1-juli-2022-altgeraete-rueckgabe-in-supermaerkten/
www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/02/PD22_058_321.html
www.bmuv.de/themen/wasser-ressourcen-abfall/kreislaufwirtschaft/statistiken/elektro-und-elektronikaltgeraete

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