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Schulabschluss bestimmt nicht Wert von Menschen

Erzbischof Stephan Burger: Unsere Bildung braucht ein Basislager

Freiburg (pef) Schülerinnen und Schüler sollten nach Ansicht von Erzbischof Stephan Burger an katholischen Schulen erfahren, „dass sich ihr Wert und ihre Würde nicht vom neuesten Modell von Handy und Computer herleitet und auch nicht von Besitz und Karriere abhängig ist“. In einem Zeitschriftenbeitrag (für die aktuelle Ausgabe des „Forum – Schulstiftung“) schreibt der Erzbischof von Freiburg: „Es geht zentral um die Erfahrung, als Person angenommen und wertgeschätzt zu sein. Dies brauchen meines Erachtens Kinder und Jugendliche gerade in einer Gesellschaft, in der wir Gefahr laufen, uns zu wenig Zeit füreinander und miteinander zu nehmen.“ Bildung benötige „die Rückbindung an Menschen, denen ich vertrauen und denen ich mich anvertrauen kann“ sowie „die Rückbindung an ein tragendes Wertefundament“. Dazu gehöre die Überzeugung, „dass Gott jeder und jedem Gaben, Fähigkeiten und Fertigkeiten geschenkt hat, die durch Familie und Schule immer mehr zur Entfaltung kommen wollen“.

„Katholische Schulen mit einzigartigen Schatz in der Bildungspolitik“

„Selbstverständlich sollen unsere Schülerinnen und Schüler hoch qualifiziert und mit dem bestmöglichen Abschluss die Schule verlassen können“, heißt es in dem Zeitschriftenbeitrag des Erzbischofs. Burger betont: „Aber die fachliche Qualifikation bestimmt nicht ihren Wert als Menschen. Neben dem Leistungsdenken, das unsere Gesellschaft in einem Übermaß beherrscht, brauchen wir dringend ein Korrektiv, das in eine andere Richtung weist und tief in unserem christlichen Glauben verwurzelt ist.“ Erzbischof Burger verweist auf ein Essay des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger, nach dessen Auffassung „das Wissen einer modernen Friseurin mengenmäßig nahezu mit dem des großen Gelehrten und Humanisten Philipp Melanchthons zu vergleichen sei“. Sie wisse viel über Haarfestiger, Nagellack, Prominente, Schlager und Charts - Melanchthon über Rhetorik, Philosophie und Theologie. Melanchtons Wissensbestände seien geordnet, verknüpft, aufeinander bezogen - eine Art „Basislager“, so Enzensberger, „von dem aus man Expeditionen in neue Provinzen der Zivilisation“ unternehmen könne. Erzbischof Burger sieht darin einen Vergleich, der keinesfalls dem Friseur-Beruf zu nahe treten wolle, sondern deutlich mache: „Wichtig und notwendig sind vor allem Orientierungswissen und die Fähigkeiten, Verknüpfungen zu schaffen!“ Es brauche ein Navigationssystem, das helfe, all die täglichen Informationen einzuordnen und aus dem „riesigen, von Meinungen überwucherten Berg der Informationen und Daten“ einen „lebensnotwendigen Schatz an Weisheit bergen“ zu können. Hier könnten Christen in den katholischen Schulen auf einen einzigartigen Schatz an Lebenswissen zurückgreifen“, ohne sich im bildungspolitischen Wechselspiel ständig neu erfinden zu müssen.

„Unterscheiden zwischen wertvoll und nutzlos - egoistisch und sozial“

In einer pluralen Lebenswelt mit einer Vielzahl von Optionen und Möglichkeiten brauchen Kinder nach den Worten des Erzbischofs Qualifikationen, Kompetenzen und Kriterien, „um unterscheiden zu können zwischen wertvoll und nutzlos, kurzfristig und nachhaltig, egoistisch und sozial“: „Je mehr eine Gesellschaft davon ausgeht, Entscheidungen dem Individuum und dessen Gewissen zu überlassen, umso mehr muss das Gewissen geschult und eingeübt werden.“ Aktuell diskutierte Themen wie etwa den rechten Umgang mit der steigenden Zahl an Flüchtlingen oder die Frage nach einer gesetzlichen Neuregelung der Sterbehilfe machten dies deutlich. Erziehung lebe von Menschen, „die durch ihr eigenes Leben und Handeln abdecken, was sie von den Schülerinnen und Schülern erwarten“. Diese Lehrerpersönlichkeiten habe er selbst bis heute in bester Erinnerung, wenn er sich an seine Zeit in der Schule und im Internat bei den Pallottinern in Hersberg am Bodensee erinnere, erklärt Erzbischof Burger. Es gehe nicht um Menschen, die - dem jeweiligen Mainstream der politisch korrekten Meinungen angepasst, letztlich sogar fremd gesteuert - funktionieren, sondern „um die befreiende und freimachende Botschaft Jesu Christi, die ermutigt und anspornt, sich selbst und die Mitmenschen als Geschöpfe zu sehen, die Gott mit Würde ausgezeichnet hat, die Weltgeschichte als Heilsgeschichte mit Gott zu deuten und unser Leben in Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen zu führen“.

„Viele Jugendliche mit Tiefgang unter der manchmal coolen Fassade“

Schülerinnen und Schüler dürften nicht Objekte sein, an das Lehrer nur das Wissen weitergeben, „welches die Industrie, die Politik, die Arbeitgeber als notwendig erachten, das rein ökonomisch ausgerichtet ist“. Kinder und Jugendliche müssten in der Schulgemeinschaft ihren spezifischen Ort haben: „Dort wird bereits eine Erfahrung des christlichen Glaubens erlebbar und das Fundament für den Glauben an die Botschaft des Evangelium gelegt.“ Es sei wichtig, „dass sie in der Schule und zu Hause ihre Begabungen entfalten können; dass sie ihre von Gott geschenkten Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln können und insbesondere ihr Charakter und ihre Persönlichkeit gefestigt werden.“ Wo dies gelinge, zeige sich, „was in den Kindern und Jugendlichen alles an Tiefgang vorhanden ist, welche oft ungeahnten Fähigkeiten hinter der äußeren manchmal so ‚coolen‘ Fassade“ schlummern. Die aktuelle Situation der katholischen Schulen sei angesichts der bildungspolitischen Entwicklungen eine große Herausforderung, aber eine noch größere Chance. Katholische Schulen seien niederschwellige Foren, „indem junge Menschen in qualifizierter Weise auch in Fragen der Religion und des Glaubens miteinander ins Gespräch kommen können“. Zudem sei zu fragen: „Was kann die Kirche von den jungen Menschen lernen?“ An diesem Austausch sei er persönlich sehr interessiert, schreibt Erzbischof Burger.

Die Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg gibt seit 1990 die Zeitschrift "Forum - Schulstiftung" heraus. Sie erscheint zweimal im Jahr mit einer Auflage von 1.800 Exemplaren. An den insgesamt 28 Schulen der Schulstiftung (davon 10 Mädchenschulen) im Erzbistum Freiburg werden etwa 12.500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Stiftung beschäftigt rund 1.280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie wurde 1988 vom damaligen Erzbischof Dr. Oskar Saier gegründet. Sie ist Träger aller katholischen weiterbildenden Schulen in der Erzdiözese Freiburg (Ausnahme: Kolleg St. Blasien). Diese sind staatlich anerkannt und führen zu den entsprechenden Abschlüssen. Weitere Informationen: http://www.schulstiftung-freiburg.de

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