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Beratungsstelle „FamilienKnäuel“: Krisen der Zeit fordern insbesondere pflegende Angehörige heraus

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Zahl der Hilfsgesuche steigt zuletzt stark an

Konstanz — „Die Zahl an hilfesuchenden Angehörigen, die einen nahen Verwandten pflegen und betreuen, hat in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen!“ – Mit dieser Aussage macht die Konstanzer Beratungsstelle „FamilienKnäuel“ auf eine deutlich steigende Belastung aufmerksam, die besonders Töchter und Söhne von demenzkranken Vätern und Müttern erleben. Wie der Leiter des ehrenamtlichen Angebots, Dennis Riehle, in seiner Stellungnahme beschreibt, kommen immer mehr Familien durch die vielschichtigen Herausforderungen dieser Zeit zunehmend in Bedrängnis: „Wachsende Ausgaben aufgrund der Teuerungsspirale, Corona-Infektionen zuhause und im Job oder die durch Home-Office gestiegenen Anforderungen zur Organisation und Trennung von Arbeit und Beruf im eigenen Haushalt stellen die Menschen vor eine Welle an Anpassungen, die gerade dann extrem hoch zu sein scheint, wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig ist und gegebenenfalls durch psychisch-kognitive und/oder physische Erkrankung eines besonders großen Aufwands an Betreuung und Begleitung im Alltag bedarf“, erklärt der 37-Jährige, der als Psychosozialer-, Familien- und Integrationsberater ausgebildet ist. „Wir können bei unserer Mailberatung von wachsender Überforderung lesen, die sich in Erschöpfung und Perspektivlosigkeit äußert. Zahlreichen pflegenden Angehörigen, aber auch Eltern von kranken oder behinderten Kindern ist die Bewältigung der täglichen Problemen mittlerweile zu viel und sie äußern eine wachsende Desorientierung“, so Riehle, der in Gerontologie zertifiziert und auch in Altenbetreuung sowie Seniorenberatung qualifiziert ist. „Der eigene Anspruch, die eigenen Angehörigen daheim betreuen zu wollen, ist ein hehres Anliegen und aus meiner Sicht überaus verständlich. Allerdings müssen auch Pflegepersonen auf Selbstfürsorge achten. Denn es nutzt niemandem, wenn sie ihre eigenen Kräfte und Grenzen überschreiten und irgendwann kollabieren“.

Riehle rät deshalb zu einer stetigen Reflexion: „Die Anzeichen für ein Ausgebranntsein müssen ernstgenommen werden. Gerade eine spürbare Lustlosigkeit oder Interessenlosigkeit, Tagesmüdigkeit, sozialer Rückzug oder das Gefühl, nur noch im Hamsterrad zu agieren, sind mögliche Warnzeichen für gestresste Angehörige, die sich in der Verantwortung sehen und diese nur schlecht abgeben können. Obwohl die Anforderungen steigen, beispielsweise durch eine fortschreitende Demenzerkrankung, geistigen und körperlichen Abbauprozess oder eine Depersonalisierung des zu pflegenden Angehörigen, empfinden viele Pflegepersonen Schuldgefühle, wenn sie daran denken, ihre Liebsten in stationäre Betreuung zu übergeben. Zudem wissen viele Betreuende nicht, dass auch die Mischung aus eigener Pflege und Hinzuziehung eines ambulanten Sozialdienstes möglich ist. Das zeitgleiche Inanspruchnehmen von Pflegegeld und Pflegesachleistungen ist ausdrücklich vorgesehen und sollte genutzt werden!“, meint Dennis Riehle, der auch empfiehlt, die Bewältigung des eigenen Tagesablaufs bei Bedarf mithilfe einer verhaltenstherapeutischen Kurzzeittherapie oder psychologischen Beratung zu sortieren: „Hierfür gibt es gute Gründe, denn es braucht manchmal den Blick von außen auf die verfahrene Situation zuhause, die man selbst vielleicht nicht zu erkennen vermag. Und es ist auch keinesfalls ein Beinbruch, einen Urlaub oder eine Auszeit zu nutzen. Hierfür stehen im Zweifel tagespflegerische Angebote zur Verfügung, wenn die Pflegeperson eine Pause benötigt und die heimische Betreuung bei ihrer Abwesenheit nicht anderweitig geregelt werden kann. Die komplexen Herausforderungen einer dementiellen Erkrankung sind Angehörigen zu Beginn oft nicht bewusst und sie überschätzen sich im Umgang damit. Insofern lohnt es sich auch, an Schulungen oder Vorträgen teilzunehmen, um sich mit dem Krankheitsbild und den daraus resultierenden Verhaltensweisen des Nächsten zu befassen. Schlussendlich sollte niemand zögern, die unterschiedlichen Hilfsangebote zu nutzen. Auch wir unterstützen mit unserem ehrenamtlichen Beratungsangebot“, so Riehle abschließend.

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