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Ist der Klimawandel Gottes Strafe für menschliche Gier?
Klimawandel ©Gerald Kaufmann
  • 26. Juli 2022

Ist der Klimawandel Gottes Strafe für menschliche Gier?

Von Dennis Riehle | Konstanz

Zwischenruf von Dennis Riehle

Waldbrände überall, Fluten in mehreren Teilen der Erde und immer neue Hitzerekorde: Die Welt ist durch den Klimawandel herausgefordert. Dass sich das perspektivische Wetter ändert, daran gibt es kaum noch einen Zweifel. Inwieweit der Mensch letztendlich an der rasanten Zunahme der globalen Temperaturen und extremen Ereignissen mitgewirkt hat, wird zwar weiterhin heftig diskutiert und wissenschaftlich beobachtet. Denn Schwankungen zwischen Kälte- und Heißzeiten gab es seit jeher. Allerdings hat die Erderwärmung wohl noch nie derart schnell und dramatisch zugenommen wie in den vergangenen Jahrzehnten. Unbestritten scheint deshalb: Gerade im 20. Jahrhundert haben Teile der irdischen Bevölkerung über ihre Verhältnisse gelebt und Raubbau an den Ressourcen betrieben. Der ständig währende Drang nach Fortschritt, Wohlstand und wirtschaftlichem Mehr hat jede Rationalität verstummen lassen. Wir haben uns an der Natur bedient und jede Ethik vergessen.

Nachhaltigkeit wird bereits in der Bibel beschrieben. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung ist ein sich durch die Heilige Schrift durchziehender Appell, an dem wir bei genauerer Lektüre nicht vorbeikommen. Und auch wenn sich manch ein Gelehrter auf die alleinigen Worte aus Genesis 1,28 stützt, stehen auch sie nicht zusammenhanglos: „Macht euch die Erde untertan und herrschet über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels, über das Vieh und alles Getier“. Zweifelsohne: Diese Zeilen klingen wie ein Freifahrtschein für uns alle. Allerdings schiebt schon 1. Mose 3,22 hinterher: „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, indem er erkennt, was Gut und Böse ist“. Die Fertigkeit, dass wir als Geschöpfe unterscheiden können, was richtig und falsch ist, übereignet uns eine enorme Verantwortung gegenüber der Erde. Denn die Aufforderung Gottes, dass wir sie uns zu Eigen machen sollen, bedeutet am Ende auch die Pflicht zur Pflege des Planeten.

Uns sind sowohl Kohle, Gas und Öl als Teil der Weltkugel zur Nutzung zur Verfügung gestellt worden. Hieran habe ich keinen Zweifel. So, wie wir uns allerdings in der jüngeren Geschichte an der Umwelt und diesen uns offenbarten Energieträgern vergangen haben, widerspricht völlig dem Grundsatz des „Behütens“ aus 1. Mose 2,15. Gott vertraut dem Menschen das Geschenk der Erde im Wissen um seine auf die Zukunft gerichtete Bedeutung an. Er verlässt sich darauf, dass wir mit Augenmaß und Umsichtigkeit handeln und in seinem Sinne agieren. Wir alle sind seine Stellvertreter auf dieser Welt. Deshalb hat er uns gemacht, dass wir mit ihm einen Vertrag der perspektivischen Fürsorge um die natürlichen Ressourcen geschlossen haben, der nach 1. Mose 17,7 eindeutig auch für die künftigen Generationen gelten soll. Wir dürfen uns nicht von der Prophezeiung aus Offenbarung 21,1ff. leiten oder gar verklären lassen: Die Aussicht auf eine neue Erde kann uns nicht aus der Verpflichtung für ein nachhaltiges Agieren auf der jetzigen Welt entlassen. Viel eher ermahnen uns bereits die Psalmen zu einem rechtschaffenden Verhalten in der Diesseitigkeit (Kapitel 37, Vers 37). Unsere gläubige und vertrauensvolle Hoffnung richtet sich auf das Übermorgen, unser Tun ist am Morgen ausgerichtet.

Und diesbezüglich heißt es, keine Verschwendung zu üben, sondern den Garten maßvoll zu bebauen. Das Gleichnis von der Salbung in Betanien in Markus 14,3 macht deutlich: Vergeudung darf nur dann wirklich geschehen, wenn damit ein gutes Werk getan wird. Der Blick auf unseren zerstörten Globus macht uns aber deutlich: Unsere Gier hat weder den Armen geholfen, noch den Planeten geschützt. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns von jeder Verhältnismäßigkeit entfernt, haben mehr verbraucht, als für ein gutes, auskömmliches Existieren nötig ist. Insofern haben wir uns damit schuldig gemacht. Immerhin wäre etwas Anderes möglich gewesen. Statt Ausbeutung von Lebensgrundlagen gibt es einen alternativen Weg, der nicht allein auf Verzicht setzt und uns Liebgewonnenes nehmen würde: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren worden“, sagt Römer 1,22 – und spricht damit an, dass wir in der westlichen Welt zu sehr auf unseren Eigennutz gesetzt und Arme vergessen haben: „Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient“, fordert uns 1. Korinther 10,24 heraus. Gott hat uns mit dem Klimawandel einen Spiegel vorgehalten, der nicht das Ziel der Strafe hat, sondern viel eher auf den „großen Verstand“ hinarbeitet (Daniel 12,4). Unsere Einsichtsfähigkeit, gegebene Fähigkeiten für Innovation, Technologie und Entwicklung einzusetzen und damit ein für alle Völker erschwingliches, zufriedenes und für unsere Nachkommen erfüllendes Leben zu haben, diese Aufgabe stellt uns Gott angesichts unserer frevlerischen Missetaten an der Schöpfung anheim:

„Weisheit erwerben ist besser als Gold und Einsicht erwerben edler als Silber“ (Sprüche 16,16).


Ressort: Glaube und Gesellschaft

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