Regionalportal und Internetzeitung für Pressemeldungen!

 

Dieselnachrüstung reduziert Stickoxidbelastung deutlich

Der nachträgliche Einbau von Abgas-Reinigungsanlagen mit einer Selective Catalytic Reduction (SCR)-Technologie kann den Ausstoß von Stickoxiden bei Dieselfahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 5 im Stadtverkehr selbst unter ungünstigen Bedingungen um rund 50 Prozent senken. Im Idealfall sind es sogar über 70 Prozent. Das ist das Kernergebnis einer Testreihe, die der ADAC Württemberg mit Förderung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg von September 2017 bis Februar 2018 durchgeführt hat.

„Der Test des ADAC Württemberg hat die Fake News der Industrie endgültig widerlegt: Hardware-Nachrüstung funktioniert“, erklärt Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg. „Der Verbraucher kann erwarten, dass die Industrie die Verantwortung für die Produkte übernimmt, die sie bis vor kurzem unter dem Siegel der Umweltverträglichkeit verkauft hat. Politik und Industrie sind jetzt gefordert, schnell zu handeln. Sie haben viel zu lange übersehen, dass die Herstellung von Automobilen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ethische Anforderungen stellt.“

Winfried Hermann, Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg, sieht nach diesen Testergebnissen vor allem die Autohersteller in der Pflicht: „Sie haben immer gesagt: Geht nicht, funktioniert nicht, ist zu teuer. Jetzt ist bewiesen: Es geht, es funktioniert, es hat den doppelten Effekt wie eine Software-Nachrüstung. Jetzt müssen die Hersteller endlich ran, denn sie haben schließlich die Verantwortung für die Schlechtleistung bei Euro 5-Fahrzeugen und für die schlechte Luft in den Städten.“

Für den Test wurden vier Euro 5-Dieselfahrzeuge auf dem Gebrauchtwagen- markt angekauft. Dabei handelte es sich um ein bis fünf Jahre alte Fahrzeuge mit einer Kilometerlaufleistung zwischen 20.000 und 95.000 Kilometern: ein Mercedes B 180 CDI 1,5 Liter, ein Opel Astra CDTI Sports Tourer mit 1,7 Litern Hubraum, ein VW T5 Multivan 2.0 TDI sowie ein Fiat Ducato 130 Multijet 2,3 D. „Bei der Auswahl der Fahrzeuge war entscheidend, unterschiedliche Hubräume abzudecken und Dieselmotoren mit einer möglichst weiten Verbreitung auszuwählen“, erklärt Thomas Kassner, Vorstand Technik & Umwelt beim ADAC Württemberg. „Die Transporter wurden ausgewählt, um auch den typischen innerstädtischen Liefer- und Handwerkerverkehr abzubilden.“

Im ADAC Technik Zentrum in Landsberg wurden zunächst die Emissionen der vier Fahrzeuge im Serienzustand sowohl auf dem Prüfstand im WLTC-Zyklus als auch im Realbetrieb gemäß RDE-Standard auf der Straße gemessen. Danach übernahmen die vier Nachrüstungs-Unternehmen die Testfahrzeuge: Dr. Pley (Mercedes B), HJS (Fiat Ducato), Oberland-Mangold (VW T5) und TwinTec (Opel Astra). Für Entwicklung, Einbau und Tests der Funktionsprototypen hatten die Nachrüster nur wenige Wochen Zeit. Nach der Umrüstung wurden die Fahrzeuge wieder in das ADAC Technik Zentrum in Landsberg gebracht und deren Emissionen gemessen.

Die Ergebnisse im Überblick

Die realen Stickoxidemissionen der serienmäßigen Euro 5-Modelle ohne SCR- Umrüstung lagen zum Teil dramatisch über den gesetzlichen Grenzwerten. Die Messergebnisse nach der Umrüstung zeigen eindeutig die hohe Wirksamkeit der Funktionsprototypen auf Basis der SCR-Technologie. So wurden auf dem Prüfstand NO x -Minderungsraten im Stadtverkehr (WLTC kalt 23 °C Phasen 1-3) bei einem Kaltstart je nach System zwischen 44 (Dr. Pley) und 61 Prozent (Twintec) gemessen. Bei dem Außerortsteil (WLTC Phase 4) dieser Messung erreichen drei der vier Systeme sogar Minderungsraten zwischen 78 und 88 Prozent. Sobald die Systeme ihre Betriebstemperatur (WLTC warm 23 °C Phasen 1-3) erreicht haben, liegen die Reduktionsraten bei allen gut abgestimmten Systemen auch im Stadtverkehr bei über 70 Prozent.

Dass auch im realen Verkehr auf der Straße niedrige NO x -Emissionen erreicht werden können, zeigen die RDE-Messungen im realen Fahrbetrieb. Das gilt selbst unter sehr ungünstigen Bedingungen (Außentemperatur ca. 4 °C), wie die Messergebnisse der Mercedes B-Klasse und des Opel Astra mit den Systemen von Dr. Pley bzw. TwinTec zeigen. „Bei Betrachtung der Gesamtergebnisse wird zwar deutlich, dass die SCR-Nachrüstungen bei niedrigen Temperaturen noch Optimierungspotential haben“, resümiert Dr. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik ADAC e.V. „Sie zeigen jedoch sehr klar das Potential dieser Technik.“

Auf der Basis der Abgasmessungen wurden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Annahmen Szenarien gerechnet, wie hoch die Emissionsminderung des Straßenverkehrs durch eine Nachrüstung von Euro 5- Diesel-Pkw mit SCR-Systemen regional ausfallen könnte. Wenn es zum Beispiel gelänge, fahrleistungsbezogen 75 Prozent dieser Fahrzeuge mit Systemen nachzurüsten, die 70 Prozent der Stickoxide zurückhalten können, würden die kumulierten Emissionen des Straßenverkehrs am Stuttgarter Neckartor um 18,5 Prozent sinken. Unter optimistischeren Annahmen könnte dieser Wert sogar auf bis zu 30 Prozent ansteigen.

Zusätzlich zu den Stickoxid-Emissionen wurden im Rahmen des Projekts weitere Daten erhoben. So steigen Kraftstoffverbrauch und CO 2 -Emissionen durch die SCR-Nachrüstung um ein bis sechs Prozent. Der Verbrauch von AdBlue ® bewegt sich in einer Spanne von 1,5 bis 2,8 Liter pro 1.000 Kilometer. Die Kosten einer Nachrüstung für den Verbraucher werden von den unterschiedlichen Anbietern mit 1.400 Euro bis 3.300 Euro inklusive Einbau angegeben. „Nach unserer Einschätzung dürften die Kosten allerdings im oberen Drittel der genannten Preisspanne liegen“, so Kolke.

Die Markteinführung erster Nachrüstsysteme in Großserienfertigung wäre laut Nachrüster unter zwei Bedingungen zeitnah möglich: Der Gesetzgeber muss schnell gesetzliche Rahmenbedingungen für die Zertifizierung und Überprüfung von SCR-Nachrüstlösungen festlegen. Zudem ist die Kooperationsbereitschaft der Autohersteller eine weitere wichtige Voraussetzung. „Es bedarf weiterer Entwicklungsarbeit, die mit Unterstützung der Hersteller zu einer schnelleren Serienreife führen würde. Insbesondere beim Abgriff von relevanten Fahrzeugdaten, die für die korrekte Funktion des Nachrüstsystems unabdingbar sind, und beim Zugang zu Lieferanten können Hersteller aktiv mitwirken“, erklärt Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg.

Unter www.adac.de/scr finden Interessierte ergänzende Informationen sowie den Abschlussbericht zu dem Projekt.

Tags: Auto

Kommentare powered by CComment

Theologe für die Fragen der Zukunft

Jan 06, 2018
Gotteshaus
Freiburg / Heidelberg / München / Oberbergen (pef). Der Brückenschlag zwischen wissenschaftlicher Theologie und praktischer Seelsorge gilt als Kennzeichen für den vor 100 Jahren in Oberbergen…

So stellen sich die Nordrhein-Westfalen ihren Traumurlaub vor

Mär 20, 2018
Traumurlaub
Liegestuhl oder Abenteuertrip? Klar ist: Ein Trip in die Sonne steht bei den Menschen in NRW ganz hoch im Kurs. Schließlich hat uns der Winter nicht gerade damit verwöhnt. Mehr als jeder Vierte (28…

Was kommt - was bleibt in der Außenwirtschaft

Jan 06, 2018
Geschäftig
Im neuen Jahr stehen einige Änderungen im Zoll- und Außenwirtschaftsrecht an. Das Seminar „Änderungen Zoll- und Außenwirtschaftsrecht 2017/2018“ der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee…

Land Baden-Württemberg prämiert Konzept aus Südbaden

Feb 28, 2018
Das InnoCell in Lörrach
Bei der Wirtschaftsregion Südwest entsteht Digitalisierungszentrum Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Begriffe, die seit Monaten in aller Munde sind. Auch die „Große Koalition“ hat die Bedeutung…

Sternsinger zu Gast bei Landrat Dr. Martin Kistler

Jan 05, 2018
Sternsinger und Landrat
Die Sternsinger der katholischen Pfarrgemeinde Liebfrauen Waldshut haben am 04.01.2018 Landrat Dr. Martin Kistler einen Besuch abgestattet. An den beiden Haupteingangstüren des Landratsamtes brachten…

Gigantisches Säuli wirbt für sichere Franken

Feb 19, 2018
Das rote Säuli
Vollgeld-Kampagne macht auch in Schaffhausen Halt Schaffhausen – Das überdimensionale Vollgeld-Säuli besucht am Donnerstag, 22. Februar 2018 den Fronwagplatz in Schaffhausen. Das Säuli ist Teil der…

"Team Time Out" macht Operationen sicherer

Mär 07, 2018
Eindeutige Markierung des Operationsbereichs bereits am Tag vor dem Eingriff bietet Sicherheit: eine Verwechslung etwa des linken oder rechten Knies ist so ausgeschlossen. Foto: Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim
Frankfurt - Medizinische Behandlungen und chirurgische Eingriffe sind in den letzten Jahren für Patienten immer sicherer geworden. Die Quote fehlerhafter Therapien liegt Studien zufolge in…

Toxische Metalle als Gesundheits-Blocker

Mär 07, 2018
Die Infografik (PDF) zeigt die extra- und intrazellulären Messverfahren im Vergleich. Dabei ist auf den ersten Blick die Kosten- und Zeitersparnis durch das Zell-Screening (ZS) erkennbar.
In Zeiten von wachsender Belastung des Körpers durch Umweltprobleme stellt sich nicht mehr die Frage, ob dies gesundheitliche Folgen haben kann – sondern wie schwerwiegend sie sind. Toxische Metalle…

SVP bekennt sich zu einer gemeinsamen Gesundheitsregion

Feb 09, 2018
Kosten des Gesundheitswesen
Wie bereits in ihrer Vernehmlassungsantwort festgehalten, bekennt sich die SVP auch nach dem Vorliegen des Staatsvertrages zu einer gemeinsamen Gesundheitsregion BS/BL. Nur mit einer gemeinsamen…

Neujahrsaktion der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Detmold

Jan 05, 2018
Aufräumaktion
Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat Paderborn - Lippe säubern am Neujahrsmorgen den Marktplatz in Detmold. Alle Jahre wieder: Um die 20 Muslime der Ahmadiyya Muslim Jamaat versammelten sich um ca.…

Hochschwarzwald - Veranstaltungshighlights im Mai 2018

Apr 13, 2018
Schluchseelauf
Mit dem St. Blasier Musikfrühling und dem 34. Schluchseelauf wird der Wonnemonat Mai im Hochschwarzwald begrüßt. Außerdem warten die Veranstaltungshighlights in diesem Monat mit Live-Musik, Comedy,…

Verkehrsfreigabe der Albtalstrecke mittelfristig geplant

Jan 25, 2018
Adrian Probst, BM St. Blasien, Stefan Kaiser, BM Albbruck, Carsten Quednow,  BM Görwihl, Dominik Schulze, Mitarbeiter Büro Schwarzelühr-Sutter MdB, Ministerialdirektor Professor Lahl, Verkehrsministerium , Daniel Bücheler, BM-Stellvertreter Dachsberg, Reinhold Pix MdL, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Staatssekretär Andre Baumann, Umweltministerium, Felix Schreiner MdB, Sabine Hartmann-Müller MdL, Landrat Dr. Martin Kistler
L 154 im Landkreis Waldshut – Kostenzusage des Landes für die Sanierung Ein guter Tag für den Landkreis Waldshut und seine Bürgerinnen und Bürger: Die Baumaßnahmen im Bereich der Landesstraße L 154…

Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /kunden/139113_79713/hochrhein_3/plugins/system/cookiehint/cookiehint.php on line 172
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok