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Einwöchiger Ausflug in die virtuelle Zukunft

Bild: HTWG

Studierende verschiedener Fakultäten der HTWG haben in ihrer vorlesungsfreien Zeit einen einwöchigen Ausflug in die Zukunft unternommen. In einem Hackathon haben sie Anwendungen für die HoloLens entwickelt – eine Brille, die dem Träger ermöglicht, seine Umwelt angereichert mit virtuellen  Informationen zu sehen.

Es war ein Experiment, zu dem das Open Innovation Lab der Hochschule eingeladen hatte: Fünf Tage lang zusammenarbeiten – mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, die man noch nicht kennt, zu einem Thema, das man noch nicht weiß, mit einem Medium, von dem man nur vom Hörensagen nähere Informationen hat. 33 Studierende haben sich darauf eingelassen. Keiner ist abgesprungen, alle haben weit über das vorgesehene Programm von 9 bis 18 Uhr gearbeitet, bis 2 Uhr in die Nacht hinein hat sie die Begeisterung für ihr Projekt wach gehalten.


Das Projekt? „Die Studierenden hatten die Aufgabe, für die Microsoft HoloLens Anwendungen zu entwickeln“, sagt Moritz Simsch,  wissenschaftlicher Mitarbeiter im Open Innovation Lab und Initiator des Hackathons – einer Kombination von Hack und Marathon. Diese Brille, die erst seit November letzten Jahres in Deutschland erhältlich ist, ermöglicht die Einblendung virtueller Informationen, zum Beispiel dreidimensionale Hologramme, in die reale Umwelt. Der Hackathon war der erste dieser Art für die HoloLens deutschlandweit, der von Microsoft unterstützt wurde.

Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen bei weitem. Die Studierenden schafften es sogar, mit der Qualität ihrer Arbeit den Produktmanager der HoloLens aus dem Europa-Headquarter von Microsoft zu überraschen. Michael Zawrel, der zur Abschlusspräsentation angereist war, gratulierte ihnen, ihre Freizeit „extrem sinnvoll investiert“ zu haben. Er sieht in der neuen Technologie das Potential, den Alltag der Zukunft grundlegend zu verändern. Die „mixed reality“ erfordere zudem Fachkräfte, die kreativ und interdisziplinär zusammenarbeiten – genau die Fähigkeiten, die die Studierenden während des Hackathons bewiesen hatten.

Die Faszination für die Möglichkeiten der neuen Technologie war der gemeinsame Nenner der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese war so groß, dass externe Besucher des Hackathons kaum wahrgenommen wurden, so vertieft waren die Teams in ihrer Aufgabe. „Ich fand es faszinierend, dass keine Gruppe aufgegeben oder in Konflikt geraten ist“, sagt Moritz Simsch. Die Studierendenteams organisierten sich erfolgreich selbst, tauschten untereinander Fachkenntnisse aus und formulierten regelrechte Stellenausschreibungen für Posten, die in ihrem Team noch für den angestrebten Erfolg zu besetzen waren.  Schon am ersten Tag hatte eine Gruppe ihre eigene „Forschungs- und Entwicklungsabteilung“ aufgebaut.

„Die virtuelle Welt bietet ganz neue Möglichkeiten, da muss man erstmal etwas um die Ecke denken“, sagt Moritz Simsch. Gerade das hat die Teilnehmer gereizt: „Ich bin hier, weil ich Leute aus anderen Fachbereichen kennenlernen will, die andere Kompetenzen, aber das gleiche Interesse mitbringen wie ich“, erläuterte Nina Marquardt ihre Motivation. Die Kommunikationsdesign-Studentin im siebten Semester hatte die Technologie bereits während ihres Praxissemesters kennengelernt und möchte auch ihre Bachelor-Thesis dazu schreiben. „Man hat Zugang zu Technologien, die man sich normalerweise nicht leisten kann“, sagte Informatikstudent Benedict Roth zur Erläuterung, weshalb er die vorlesungsfreie Woche an der Hochschule verbringt.  Sein Kommilitone Christian Schmeißer schätzte den interdisziplinären Austausch, aber auch die Vertiefung im eigenen Fachgebiet.

Lediglich ein Team gab sein Projekt auf – die Idee, ein Lernprogramm für Pianospieler zu entwickeln, hatte sich als nicht umsetzbar erwiesen. Die Studierenden suchten sich erfolgreich eine neue Aufgabe, nun unter dem Motto „Holomercial“: Die Entwicklung neuer Werbestrategien für eine lokale Brauerei.
Die weiteren Ideen für besondere Anwendungen der HoloLens waren die Entwicklung eines Programms, mit dem der Nutzer virtuelle Murmelbahnen bauen kann, ohne danach jemals Klötzchen aufräumen zu müssen, oder ein Programm, das Kriminalisten bei der Tatortrekonstruktion  unterstützen kann. In der Gunst einer vierköpfigen Jury, in der auch Microsoft-Produktmanager Michael Zawrel vertreten war, stand jedoch „HoloHistory“ an vorderste Stelle: Mit dieser Anwendung entwarf ein Team aus Informatik-, Kommunikationsdesign- und Architekturstudierenden ein breites Spektrum an Möglichkeiten für Museen wie auch Städte, Zoos oder Messen. „Mit Hilfe der HoloLens können Museumsbesucher Gegenstände vergrößern, drehen und aus verschiedenen Perspektiven anschauen“, erläutert Architekturstudent Serdar Incegzöz. Mit dem Programm sei ebenso denkbar, Ruinen in der virtuellen Welt fertiggestellt zu betrachten oder auch Stadtbesichtigungen nach unterschiedlichen Mottos durchzuführen – zum Beispiel könnte ein Stadtspaziergang Konstanz virtuell so zeigen, wie es im 17. Jahrhundert ausgesehen hat.

Der erste Hackathon im Open Innovation Lab werde definitiv nicht der letzte gewesen sein, blickt Moritz Simsch voraus. Er arbeitet bereits Ideen für die nächste Veranstaltung aus.

Eindrücke vom HoloLens-Hackathon im Kurzfilm

Studierende verschiedener Fakultäten der HTWG haben in ihrer vorlesungsfreien Zeit einen einwöchigen Ausflug in die Zukunft unternommen. In einem Hackathon haben sie Anwendungen für die HoloLens entwickelt – eine Brille, die dem Träger ermöglicht, seine Umwelt angereichert mit virtuellen Informationen zu sehen.

 

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Tags: Medien

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