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Wer hat eigentlich den Briefumschlag erfunden?
Briefumschlag ©Gerald Kaufmann
  • 16. März 2023

Wer hat eigentlich den Briefumschlag erfunden?

Von Redaktion

Auch wenn heute vor allem per E-Mail korrespondiert wird, hat der Briefumschlag noch nicht ausgedient. Denn offizielle Schriftstücke oder Warensendungen werden nach wie vor auf dem Postweg zugestellt. Doch woher kommt die typische Briefverpackung eigentlich? Wer hat den Briefumschlag erfunden und wie bekam er die Form, in der man ihn heute kennt?

Der erste Briefumschlag war ein Engländer

Briefe werden schon seit vielen Jahrhunderten geschrieben und verschickt. Über einen langen Zeitraum musste man dafür aber keine Briefumschläge kaufen: Die Schriftstücke selbst wurden gefaltet oder gerollt und anschließend mit Lack versiegelt. War das Siegel gebrochen, konnte man erkennen, dass der Brief bereits gelesen wurde. Diese Prozedur war mit zunehmendem Briefaufkommen aber irgendwann zu aufwendig geworden, es musste also eine einfachere Lösung her.

Der englische Buch- und Papierwarenhändler S. K. Brewer in Brighton erfand im Jahr 1820 einen Umschlag aus Papier, in den ein Brief eingesteckt werden konnte. Damit er ersparte er sich das zeitraubende Falten des beschriebenen Bogens und den Verschluss mit dem zuvor obligatorischen Siegel. Zudem war es nun möglich, den Bogen von beiden Seiten zu beschreiben. Brewer fertigte zunächst die Umschläge in Handarbeit an, indem er diese mithilfe von Blechschablonen zuschnitt. Die Nachfrage nach den neuen Briefumschlägen war jedoch so groß, dass Brewer sie 1835 an die Londoner Firma Dobbs & Comp. vergab. Dieser Auftrag zur Herstellung von Briefumschlägen war die Initialzündung für Briefkuverts als Massenartikel.

Weitere Innovationen folgten. Die Engländer Edwin Hill und Warren De La Rue entwickelten 1844 die erste Tret-Falzmaschine für die Herstellung von Briefumschlägen. Ihre erste patentierte Maschine zur Herstellung von Umschlägen wurde im Jahr 1851 auf der Weltausstellung in London vorgestellt. Klar, dass man damals noch weit entfernt war von speziellen Kuverts wie dem Luftpolsterumschlag.

Auch hierzulande erkannte man den Bedarf

Im Jahr 1849 gründete der Kaufmann Rommeler in Jülich die erste Briefumschlagfabrik. Die Umschläge wurden dort anfangs noch per Hand gefertigt, da die Maschinen noch nicht serienreif waren. Das komplette maschinelle Verfahren wurde in Deutschland erstmals bei der Wuppertaler Firma Remker durchgeführt. Auf der Weltausstellung in London 1851 erwarb Carl Remker dafür eine der Briefumschlag-Maschinen.

Äußerst erfolgreich bei der maschinellen Produktion von Briefumschlägen war die Firma Reinhart Schmidt. Die Firma betrieb um das Jahr 1870 bereits mehrere Maschinen für die Herstellung, die von je zwei Arbeiterinnen bedient wurden. Schon 1874 lag die Produktionsleistung im Durchschnitt bei einhundertfünfzigtausend Stück. Im Jahr 1913 wurden täglich mehr als eine Million Briefumschläge produziert.

Die Firma Reinhart Schmidt war es auch, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Herstellung von Briefumschlägen mit Lacksichtfenstern zur Serienreife führte. Auf der Rückseite des geöffneten Briefumschlags wurde dafür ein spezieller Lack aufgetragen. Später wurden diese Lackfenster durch Pergamin-Fensterhüllen ersetzt.

Im Jahr 1925 wurde von der Firma Winkler + Dünnebier die erste Rotations-Briefumschlagmaschine der Welt vorgestellt. Sie arbeitete mit höherer Geschwindigkeit und trug die Gummierung direkt auf. Die Vorgummierung war nicht mehr nötig.

Kurze Zeit später, im Jahr 1930, brachte das gleiche Unternehmen auch die Produktion von Umschlägen mit Pergamin-Fenster zur Serienreife.

Seither sieht ein Briefumschlag fast genau so aus, wie man ihn heute kennt.

Die meisten Briefumschläge haben heute ein Standardformat

Generell ist es zulässig, Briefumschläge auch selbst nach eigenen Vorstellungen herzustellen. Im Handel bekommt man Briefumschläge allerdings in der Regel in Standardgrößen: Die Normen ISO 269 und DIN 678 definieren die Größen in der Serie C (DIN 476-2 bzw. ISO 217) bzw. der Serie B (DIN EN ISO 216 bzw. ehemals DIN 476-1). Am gängigsten ist der Brief in der unsystematischen Größe DL („DIN lang“. Dieser ist auf das Falzformat von Geschäftsbriefen gemäß DIN 5008 abgestimmt: Briefe in A4 sind demnach in der Faltung etwa gedrittelt und das Adressfeld befindet sich im dafür vorgesehenen Fenster.

 

 

 




Ressort: Bildung und Kultur

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