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Aktive Städteplanung - Umdenken hat begonnen
Städtebau im Wandel ©Gerald Kaufmann
  • 25. Februar 2021

Aktive Städteplanung - Umdenken hat begonnen

Von Dennis Riehle

Unser Dorf steht langfristig vor enormen Herausforderungen: Die neueste Bevölkerungsvorausrechnung, die die Stadtverwaltung dem Litzelstetter Ortschaftsrat im Februar 2021 präsentiert hat, relativiert zwar einige Befunde im Vergleich zu den Erhebungen vor vier Jahren. Nichtsdestotrotz bleibt der Teilort im Brennglas des „Demografischen Wandels“ verhaften. Denn auch wenn die Zahl der Hochbetagten etwas weniger stark wachsen dürfte, als es noch in der vorhergehenden Prognose angenommen wurde, ist eine Tendenz klar erkennbar: Während Konstanz in seiner Gesamtheit unter den besten Umständen bis 2040 nahe an den Status von einer Großstadt heranwachsen könnte, sehen die Modelle für den Vorort ein Schrumpfen voraus.

Besonders erschreckend dabei: Das mittlere Alterssegment wird einen markanten Anteil an der Einwohnerschaft abgeben. Wir verlieren damit nicht nur qualifiziertes Fachpersonal, das das Gewerbe vor Ort halten würde. Es entspricht auch keiner gesunden Alterspyramide, wenn die Ränder beständig bleiben, aber das Fundament der arbeitenden und die Generationen verbindenden Mitte an Boden verliert. Die Konsequenz aus den aktuellen Vorhersagen muss daher deutlich ausfallen: Es genügt nicht, in einzelnen Legislaturperioden zu denken. Die Kommunalpolitik darf in der Frage einer angemessenen Schlussfolgerung auf die demografische Entwicklung keinesfalls nur „auf Sicht fahren“. Deshalb ist es gut, dass es aus dem Ortschaftsrat wiederholte und ernstzunehmende Bekenntnisse gab, sich dem Jahrhundertthema für Litzelstetten zeitnah zu widmen. Das Umdenken in dieser Sache hat nun endlich begonnen.

Wenngleich die Ausbeute an neuen Baugebieten minimal ist, haben die Verantwortlichen verstanden, dass bezahlbarer Wohnraum im Ort eine wesentliche Stellschraube dafür ist, mitten im Leben stehende Einwohner an Litzelstetten zu binden – und den Zuzug neuer Mitbürger zu fördern. Zusätzlich braucht es Anstrengungen, die Bedürfnisse der diversitätssensiblen Gesellschaft zu erfüllen. Neben familienfreundlichen Maßnahmen gehört dazu unter anderem die Erhaltung und der Ausbau von Nahversorgung und Infrastruktur samt Kindertagesstätten und Grundschule, die Sicherung des Gesundheits- und Sozialwesens inklusive der Nutzung von ehrenamtlichen Ressourcen der hier ansässigen Vereine, das Vorantreiben von altersgerechten Wohnformen und dezentraler Pflege nebst Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, eine Aufwertung und Überwindung des trennenden Dorfcharakters durch die Umgestaltung der Hauptstraße oder die Ausgestaltung eines differenzierten Freizeitangebots für die unterschiedlichen Altersstufen. Es werden verschiedene Konzepte vonnöten sein, um die Weichen bis 2040 zu stellen – beispielsweise die von der Stadt vorgesehene Verdichtung gewerblicher Strukturen im Ortskern oder der Versuch weiterer Ansiedlung von Wohnbebauung im peripheren Gemarkungsraum.

Gleichsam wird man nicht umhinkommen, die sich abzeichnende Entwicklung zumindest in Teilen als unabänderlich zu akzeptieren und auf sie einzugehen. Wie der Gemeinderat künftig alle politischen Entscheidungen unter den Vorbehalt der Klimaverträglichkeit stellen will, muss Litzelstetten bei jedem Projekt darauf blicken, ob es auch wirklich dem Gedanken eines pluralistischen und nachhaltigen Dorfes – insbesondere in Sachen Altersvielfalt – gerecht wird. Dafür ist es sinnvoll, schon jetzt fachkundige Einwohner, systemrelevante Player, bürgerschaftlich Engagierte, politische Akteure, Verwaltung und außenstehende Ideengeber in einen Prozess des Austausch einzuladen, um sich ein Bild darüber zu machen, wie sie sich ein Litzelstetten in zwanzig Jahren vorstellen.


Ressort: Konstanz

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