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Versteckspiel der Lonza um giftiges Benzidin

Chemie - Fluch und Segen ©Gerald Kaufmann

Chemiemülldeponie Gamsenried bei Visp (VS) leckt seit mindestens 2008

Seit 2008 wusste der Pharmakonzern Lonza, dass Benzidin aus seiner Deponie Gamsenried ausläuft. Doch Lonza hielt die Analyseergebnisse zurück, wie Recherchen von OEKOSKOP und infosperber.ch jetzt zeigen.

Auf Geheiss des Walliser Umweltamts beauftragt die Lonza AG 2008 verschiedene Labors mit Spezialanalysen des Grundwassers bei der Chemiemülldeponie Gamsenried. Dabei findet das Labor der CIMO AG in Monthey (VS) auch Benzidin, eine Substanz, die beim Menschen Blasenkrebs auslöst.

Nach diesen Benzidin-Funden hätten beim Pharmakonzern Lonza die Alarmglocken klingeln müssen. Doch nichts geschieht. Lonza begnügt sich damit, die Analyseergebnisse zumindest teilweise zur Auswertung an Daniel Hunkeler zu schicken. Hunkeler leitet das geologische Institut CHYN[1] der Universität Neuenburg, das immer wieder Aufträge der Lonza AG zur Chemiemülldeponie Gamsenried ausführt.

Benzidin-Funde zurückgehalten

Ob Hunkeler auch die Cimo-Analysen mit den Benzidin-Funden lässt Lonza heute offen. Sicher ist aber: In Hunkelers Auswertung vom März 2010 fehlt die hochproblematische Benzidin-Verschmutzung.

Den Hunkeler-Bericht schickte die Lonza zusammen mit Original-Analyseberichten dem Walliser Umweltamt. Recherchen von OEKOSKOP und infosperber zeigen jetzt: Ausgerechnet die Analyseergebnisse der Cimo AG von 2008 mit den Benzidin-Funden legte die Lonza jedoch nicht bei. Erst 2020 erfährt das Umweltamt von Lonza, dass die CIMO bereits 2008 Benzidin gefunden hatte.

Das gravierende Versäumnis von damals kommentiert Lonza im April 2020 ziemlich salopp: «Die Relevanz von Benzidin» scheine 2008 «nicht erkannt worden zu sein». Das aber ist schwer nachvollziehbar. Denn Lonza kannte schon 2008 das enorme gesundheitliche Risikopotenzial von Benzidin, wie OEKOSKOP und infosperber nun aufdecken,

Benzidin im Wallis seit 2005 aktenkundig

Die Substanz war im Wallis schon seit 2005 bekannt. Damals kam sie in Monthey bei Analysen von Grundwasser bei den Fabriken des Chemiekonzerns Ciba SC (heute BASF) und des Pestizidherstellers Syngenta/ChemChina zum Vorschein. Da in der Altlastenverordnung ein Grenzwert für Benzidin fehlte, musste er hergeleitet werden. Im Auftrag der Ciba SC und Syngenta legte das Ingenieurbüro BMG AG die zulässige Maximalmenge bei 1.5 Nanogramm Benzidin pro Liter Grundwasser (ng/L) fest. Dies geht aus dem entsprechenden BMG-Bericht von 2005 hervor, der uns vorliegt. Das ist einer der tiefsten Grenzwerte der Altlastenverordnung. Liegt die Benzidin-Konzentration über diesem Limit, muss der Verschmutzungsherd saniert werden. Das Bundesamt für Umwelt BAFU bestätigte den Grenzwert von 1.5 ng/L im September 2008. Spätestens jetzt war klar: Benzidin ist eine Hochrisiko-Substanz.

Hochriskant und trotzdem übersehen?

Lonza war im Besitz des BMG-Berichts von 2005 mit dem extrem tiefen Benzidin-Grenzwert. Der Pharmakonzern hatte ihn vom Walliser Umweltamt erhalten. Er kannte also das hohe Risiko von Benzidin, als er 2008 die Analyseberichte der CIMO mit den Benzidin-Funden erhielt. Lonza reagierte trotzdem nicht und leitete – wie gezeigt – die Benzidin-Analyseergebnisse auch nicht an die Behörden weiter.

Untätigkeit bleibt unbegründet

Lonza habe «nicht abschliessend klären» können, «warum damals keine weiteren Massnahmen ergriffen wurden», erklärt der Pharmakonzern auf Anfrage.

Die Massnahmen hätten wohl massiv sein müssen. Denn die 2008 von Labor CIMO im Grundwasser bei Gamsenried abgeschätzte Benzidin-Konzentration lag 1000 bis 3800-fach über dem zulässigen Grenzwert. Das sind nicht bloss «Spuren von Benzidin», wie es der Kanton Wallis in seiner Medienmitteilung vom April 2020 formuliert. Allein wegen dieser massiven Grenzwertüberschreitung hätte die Chemiemülldeponie Gamsenried bereits 2008 erneut zum Sanierungsfall erklärt werden müssen

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