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FlexModul

Gegen den Strom und der Zeit voraus

Corona in Action

Fünf Studenten der Hochschule Konstanz hatten vor 30 Jahren die Idee, das erste Solarboot auf dem Bodensee zu entwickeln. Nun trafen sie sich wieder an der Hochschule, um den 30. Geburtstag der Korona zu feiern. Nicht nur sie waren von der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik zu einem Festakt eingeladen worden.

Stefan Marte, Norbert Pfanner, Matthias Dreher, Martin Frank und Andreas Blossei waren die fünf Studenten, die das Solarboot unter der Anleitung ihres Professors Dr. Christian Schaffrin entwickelt haben. „Eigentlich wollten wir ursprünglich ein solarbetriebenes Auto konstruieren, aber die Nähe zum See hat uns dann schnell darauf gebracht, stattdessen ein Wasserfahrzeug zu bauen“, erzählt Marte.

„Wenn Studierende eine Idee haben, sollte man sie darin unterstützen. Die Korona ist das beste Beispiel dafür.“ Mit diesen Worten eröffnete der Präsident der Hochschule Konstanz, Professor Dr. Carsten Manz, die Vortragsreihe bei der 30-Jahrfeier des Solarbootes Korona. Der Festakt samt Ausstellung machte die Geschichte des einzigartigen Bootes anschaulich. So waren das erste Solarmodul und der erste Motor der Korona zu sehen und Film- und Fotomaterial ließ die Arbeit der "Projektgruppe Solarboot" lebendig werden. „Das war schon ein Ereignis damals, wir waren sogar in der Tagesschau um 20 Uhr“, erinnert sich Norbert Pfanner an die Taufe der Korona am Seerhein am 16. Mai 1988. Ausgestellt waren ebenfalls die vielen Pokale, welche die Korona bei acht Solarboot-Rennen gewonnen hat. Alumnus Dirk Heuer hatte die Goldmedaille mitgebracht, die er beim Solarbootrennen „Tour de Sol“ im Jahr 1988 gewonnen hatte. Damals saß er am Steuer der Korona. Obwohl das Boot wegen eines Unwetters den Hafen anlief und für drei Runden aussetzte, ging die Korona als Erste durchs Ziel: „Das ist wie bei der Formel Eins ein Boxenstopp über drei Runden einlegen und trotzdem gewinnen.“ Der Grund, weshalb die Korona siegte: Sie war ihrer Konkurrenz technisch überlegen, das Antriebssystem des Bootes war perfekt optimiert.

Diese ingenieurwissenschaftliche Meisterleistung begeistert nach wie vor nicht nur die Initiatoren des Projekts, sondern auch die Besucher der Jubiläumsfeier. „Die Forschung auf den Solarbooten macht die HTWG schon einzigartig“, stellte ein Absolvent des Masterstudiengangs Mechatronik fest, der vor fünf Jahren als studentische Hilfskraft mit den Solarbooten gearbeitet hat. Vom Solarmodul über den Wechselrichter bis zur Batterie – alles Wissen haben sich die Studenten damals wie heute selbst erarbeitet und immer weiter entwickelt. Denn ein vergleichbares Boot gibt es noch immer nicht. Mittlerweile sind so am „schwimmenden Forschungsschiff“ mehr als 40 Diplomarbeiten und noch mal ebenso viele Projektarbeiten entstanden.

Es war also Pionierarbeit, was die fünf Studienkollegen in ihrer Freizeit in der Projektgruppe Solarboot leisteten. Angetrieben von der Leidenschaft für die Erneuerbaren Energien und – von einem katastrophalen Ereignis, das 1986 die Welt veränderte. „Tschernobyl war der Trigger, der Grund, warum wir dieses Projekt anfingen“, sagt Marte. Das Thema Atomkraft spielte in seinem Vortrag über die Projektgruppe und bei der Ausstellung deshalb eine wichtige Rolle. Denn die in den 80er-Jahren durchaus reale Angst vor einem Atomkrieg, der Protest gegen Atomwaffen und nukleare Anlagen waren prägende Ereignisse in der Biographie der Ingenieure. „Es gibt keinen anderen Weg als die Erneuerbaren, wenn wir die Energiewende schaffen wollen“, ist Norbert Pfanner überzeugt. Als Gründungsmitglied der Solarboot-Projektgruppe hat er sich dafür entschieden, nach dem Studium beruflich diesen Weg weiterzugehen: Er arbeitet am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme.

Innovativ sein und Zukunft gestalten - darum ging es auch bei den übrigen Fachvorträgen. Professor Dr. Christian Schaffrin betonte, dass die Entwicklung der Korona deutlich machte, was möglich ist, wenn sich ingenieurwissenschaftliches Können und der Wille zur Veränderung verbinden. Der Baubürgermeister der Stadt Konstanz, Karl Langensteiner-Schönborn, referierte in seinem Vortrag über die in Konstanz seit Mai eingesetzten solarangetriebenen Wasserbusse. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er die Wasserbusse für die Zukunft als unverzichtbaren Bestandteil eines nachhaltigen Verkehrskonzepts in Konstanz ansieht. Prof. Dr. Richard Leiner, dessen Vortrag die Weiterentwicklung der Forschungsboote thematisierte, gab bekannt, dass das Schifffahrtsamt die Zulassung für die Methanol-Brennstoffzellen erteilt hat, mit denen die Solgenia seit Neuestem ausgerüstet ist. Damit leistet die HTWG erneut Pionierarbeit in der Erforschung einer noch neuen Antriebstechnik, die aufgrund ihrer CO2-Neutralität wegweisend für eine umweltfreundliche Mobilität der Zukunft ist. Und Stefan Marte appellierte im Hinblick auf die Energiegestaltung der Zukunft an die Studierenden im Publikum, es mit Goethe zu halten: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun.“ Selbst wenn dies nicht immer einfach sei und man – so wie mit der Entwicklung der Korona – auch mal gegen den Strom schwimmen müsse. Denn bisweilen bedeutet dies schlicht, seiner Zeit voraus zu sein.

Tags: Regenerativ, Wassersport

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