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„Immer mehr Kinder leben nur bei einem Elternteil“

Auswertung der Fragebogen zum Vorbereiten der Bischofssynode 2014

Etwa 40 bis 50 Prozent der Kinder, die im Erzbistum Freiburg zur Erstkommunion gehen, leben mit nur einem Elternteil zusammen - oder mit Eltern, die nach einer gescheiterten Ehe erneut beim Standesamt geheiratet haben. Wie aus einer am Mittwoch (18.) in Freiburg veröffentlichten Auswertung der Fragebogenaktion der Bischofssynode in Rom weiter hervorgeht, steigt der Anteil der Kinder, die nicht mit beiden Elternteilen zusammenleben, kontinuierlich weiter an. In der Zusammenfassung der Befragungsergebnisse heißt es: „In den Gemeinden wird zwischen den verschiedenen Familienformen kein Unterschied gemacht. Die Vorbereitung auf die Sakramente richtet sich an alle Eltern und Kinder.“

„Wiederverheiratete Geschiedene sind willkommen und angenommen“

Wichtig ist – mit Blick in die Ergebnisse der Befragung - „der Respekt vor der Leistung von Familien, die Deutung des Lebens aus dem Evangelium und die verständnisvolle Nähe, wenn Beziehungen scheitern“: Die Kirche könne nur glaubwürdig sein, „wenn sie sich der gesellschaftlichen Realität stellt und Wege sucht, die den Menschen in der heutigen Lebenssituation gerecht werden“. Auch wiederverheiratete Geschiedene seien „eine Realität innerhalb der Kirche“. Die Handreichung des Seelsorgeamtes für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg werde sehr begrüßt: „Aus der Sicht der Gemeinden ist es selbstverständlich: Wiederverheiratete Geschiedene sind willkommen und angenommen.“ Viele wiederverheiratete Geschiedene fühlten sich in der Kirche ausgegrenzt, „als Person nicht ernstgenommen und verletzt und leiden darunter, die Sakramente nicht empfangen zu dürfen. Andere nehmen mit schlechtem Gewissen an den Sakramenten teil oder ignorieren die kirchlichen Vorgaben.“ Das Gefühl des Ausgeschlossen-Seins führe zur Kirchendistanz und zum Austritt. Wörtlich heißt es: „Diejenigen, die den Wunsch nach dem Empfang der Sakramente haben, nehmen daran teil. Wiederverheiratete Geschiedene, die in einer Gemeinde mit leben wollen, wählen sich die Pfarrgemeinde, die ihnen dies ermöglicht.“

Dialog gegen weiter wachsende Kluft zwischen Lehre und Realität

Wie die Rückmeldungen auch im Erzbistum Freiburg erneut zeigen, gehen die Vorgaben der Kirche im Bereich Sexualität (voreheliche Sexualität, Verhütungsverbot, Leben in zweiter Ehe als schwere Sünde) an der Realität vorbei. Dies ist für die Erzdiözese Freiburg jedoch keine überraschende Erkenntnis. Wegen der seit vielen Jahren erkennbaren und weiter wachsenden Kluft zwischen Lehre und Realität hatte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch „für eine pilgernde, hörende und dienende Kirche“ plädiert und einen Dialog angeregt: In seinem Impulsvortrag vor den Bischöfen Deutschlands (2010) formulierte er mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen für die Kirche in Deutschland das Ziel, die Seelsorge deutlicher missionarisch auszurichten, sich stärker auf die Menschen zuzubewegen und den Gläubigen noch mehr Weggefährten zu sein.

Die „differenzierten Lebensentwürfe“ waren eines der großen Themen der Diözesan-versammlung 2013 in der Erzdiözese Freiburg. Auch Erzbischof Zollitsch hatte deutlich gemacht, es  gehe darum, „die individuelle Lebenssituation von Menschen zu sehen und unter pastoralen Gesichtspunkten nach verantwortlichen Wegen zu suchen“.

Der Leiter des Seelsorgeamtes der Erzdiözese Freiburg, Domdekan Andreas Möhrle, dankte allen Seelsorgeeinheiten und Einzelpersonen, die sich an der Umfrage beteiligt hatten: „Es ist sehr bemerkenswert, dass trotz des knapp bemessenen Zeitfensters so viele meist in intensiven Gesprächen vor Ort entstandene Rückmeldungen an uns gekommen sind. So haben sich sicher insgesamt weit über 2000 Personen beteiligt. Angesicht der komplexen Fragen konnte so eine hohe inhaltliche Qualität der Aussagen erreicht werden, die sicher den Beratungen der Bischofssynode auch die erforderliche Erdung in der Realität erleichtern.“

Die Verantwortlichen in der Erzdiözese Freiburg setzen nun auf Fortschritte bei den Beratungen der Bischofssynoden 2014 und 2015. Auch auf Diözesanebene gehen die Dialog-Aktivitäten auf der Suche nach Wegen für die Kirche in die Zukunft weiter: Im Mai 2014 ist in Karlsruhe eine weitere Diözesanversammlung geplant, bei der „differenzierte Lebensentwürfe“ ebenso ein Thema sind wie der Dialog der Kirche mit der Gegenwartskultur.

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