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„Nicht über Standorte streiten, sondern Integration fördern“

Erzbischof bittet Nachbarn von Flüchtlingsheimprojekten um Mithilfe

Pforzheim / Freiburg (pef). Erzbischof Stephan Burger hat Menschen in der Nachbarschaft von geplanten Flüchtlingsunterkünften um Mithilfe gebeten. „Je mehr es uns gelingt, die Menschen willkommen zu heißen, auf sie zuzugehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie zu integrieren, desto mehr werden auch wir durch sie bereichert. Wir tragen als Menschen, die auf der Sonnenseite des Wohlstands leben, Verantwortung für Menschen, die im Schatten der Globalisierung stehen“, heißt es in einem am Freitag (6. 2.) veröffentlichten Schreiben des Erzbischofs von Freiburg an Menschen, die gegen Pläne für ein Flüchtlingsheim mobil machen.

Sinkende Immobilienpreise? Menschenwürdiger Umgang?

Das Erzbistum Freiburg stellt zahlreiche eigene Gebäude für Flüchtlinge zur Verfügung und hat vielen Städten und Gemeinden unbebaute Grundstücke aus Kirchenbesitz angeboten, die sich für ein Wohnheimprojekt eignen. Dies stößt bei einigen Anwohnern der Grundstücke auf Skepsis. Einem Bürger, der mit Unterschriftenaktionen, Klagen, Kirchenaustritten, Demonstrationen vor den Gottesdiensten und Medien-Kampagnen droht („erste Kontakte zu regionalen Zeitungen und Fernsehsendern laufen“), hat Erzbischof Stephan Burger nun geschrieben: „Versetzen wir uns in die Lage der Flüchtlinge, die hören müssen, dass man sie nicht neben sich wohnen haben will, dass wegen ihnen die Immobilienpreise sinken. Ist das ein menschenfreundlicher und menschenwürdiger Umgang? Sie sprechen pauschal über Menschen, deren Gesicht und Lebensgeschichte Sie nicht kennen.“ Der Kritiker der Wohnheim-Pläne hatte die „Sicherheit der Kinder“ thematisiert („da der Schulweg und die Bushaltestelle im direkten Umfeld liegen, haben wir alle starke Bauchschmerzen“) und Effekte auf die Immobilienpreise prognostiziert („mit einem Mal sind alle Immobilien um die Kirche und Umgebung nur noch die Hälfte wert“).

„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ ...

Erzbischof Stephan Burger stimmen solche Protest-Aktivitäten nach eigenen Worten nachdenklich – „vor allem angesichts zahlreicher persönlicher Begegnungen, die ich in den vergangenen Wochen und Monaten mit Flüchtlingen, Verfolgten und Asylsuchenden sowie mit engagierten ehrenamtlichen wie hauptberuflichen Helfern in der Flüchtlingsarbeit hatte“. Der Erzbischof verweist auf die dramatische Situation in vielen Herkunftsländern und schreibt: „Die meisten Flüchtlinge mussten und müssen um ihr Leben fürchten, haben Angehörige verloren, kennen deren Aufenthaltsort nicht. In unserem wohlhabenden Land sind wir gefordert, alles daran zu setzen, um diesen Menschen zu helfen und sie willkommen zu heißen.“ Dies sei eine der vorrangigsten Aufgabe, die Jesus den Christen ans Herz lege, wenn er sage „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen (…). Alles, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Erzbischof Burger will deshalb dazu beitragen, „dass es allen Beteiligten gemeinsam gelingt, nicht darüber zu streiten, an welchen Ort die Menschen geschoben werden, sondern miteinander darauf Energie zu verwenden, wie uns die Integration gelingt und wie die Botschaft des Evangeliums am besten erfahrbar werden kann“.

Im Erzbistum Freiburg werden inzwischen rund zwanzig kirchliche Gebäude bereitgestellt, um Flüchtlinge unterzubringen und so die Städte und Gemeinden bei der Suche nach Unterkünften zu unterstützen. Zu den Gebäuden gehören zum Beispiel ein ehemaliges Schwesternwohnheim in Breisach, ein mehrgeschossiges Wohnhaus in Freiburg, Teile des ehemaligen Spätberufenen-Seminars St. Pirmin in Sasbach bei Achern sowie zahlreiche Pfarrhäuser und frühere Schwesternhäuser.

Zudem hatten Bau- und Immobilienexperten des Erzbistums rund dreißig kircheneigene Grundstücke in Städten und Gemeinden herausgesucht, die als Standorte für Flüchtlings-Unterkünfte denkbar wären. Bei der Suche nach Standorten achtet die Erzdiözese auf die Empfehlung des Caritasverbandes: Flüchtlinge sollen möglichst nicht in Industriegebieten oder riesigen Einrichtungen am Stadtrand, sondern so untergebracht werden, dass ihre Integration erleichtert wird.

Caritas: Große Bereitschaft zum Engagement in Gemeinden

Hinzu kommt das Engagement der Caritas - zum Beispiel in der Sozialberatung in den Gemeinschafts-Unterkünften. Mehr als zwanzig Caritasverbände engagieren sich über Projektarbeit speziell für Flüchtlinge: auch durch Schwangeren-Beratung, in den Tafelläden, im Caritas-Sozialdienst (CSD) und über Flüchtlings-Sozialarbeit. So sind die Caritasverbände über die Migrationsdienste, die Flüchtlingssozialarbeit und die Gemeindecaritas auch in Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinden aktiv, in denen sich viele Ehrenamtliche intensiv für die Flüchtlinge vor Ort engagieren. Es gibt nach Angaben des Diözesancaritasverbandes aktuell eine sehr große Bereitschaft, zu helfen. Für die oft schwierige Arbeit mit Flüchtlingen müssen auch Ehrenamtliche (z. B. in ihrer interkulturellen Kompetenz und Sensibilität) geschult und aktiv begleitet werden, um Flüchtlingen auf Augenhöhe zu begegnen, die vielfältigen Erscheinungsformen traumatischer Belastungen zu erkennen und einen angemessenen Umgang damit zu finden. Auf diese Weise wollen Caritas und Kirche auch eine Verbindung zu Menschen herstellen, die verängstigt sind und eher Mühe haben, sich Menschen aus anderen Kulturen zu öffnen. So wirken engagierte Ehrenamtliche als Multiplikatoren in die Gesellschaft, helfen der Akzeptanz von Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt und stärken so den sozialen Zusammenhalt.

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