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Nur „Vergessen“ oder gezielte „Ausgrenzung“?

Säkulare bleiben bei Stuttgarter Protestaktion außen vor…

Am 16. Januar 2016 protestiert ein breites Bündnis von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen in Stuttgart für ein gemeinsames Einstehen gegen jegliche Form von Rassismus in Baden-Württemberg. Eingeladen wurden Veranstalter, die die breite Bevölkerung repräsentieren sollen: Von der Eisenbahnergewerkschaft über die Linkspartei bis hin zur Erzdiözese. Und von Seiten der säkularen Szene? Blickt man auf die Bandbreite der vielen Logos, die auf der Ankündigung als Mitwirkende aufgelistet sind, sucht man vergeblich nach Humanisten, Freidenkern oder Atheisten. Ihre Verbände wurden offenbar gar nicht erst angefragt, ob auch sie sich beteiligen wollen, ein Zeichen für eine tolerante Gesellschaft zu setzen.

Meint man es gut, könnte man schlicht feststellen, die Organisatoren hätten uns einfach „vergessen“. Böswillig könnte man aber auch sagen, die säkularen Vertreter wurden wieder einmal ausgegrenzt. Wenn die Kirchen berücksichtigt sind, so dürfte wohl die landläufige Meinung sein, ist das breite Spektrum der Weltanschauungen abgedeckt. Da kann man leicht übersehen, dass die glaubensfreien Menschen mittlerweile die größte „Konfession“ in unserem Land bilden. Entweder ist man katholisch oder evangelisch, so scheinen es auch die Verantwortlichen der Demonstration in Stuttgart als Selbstverständlichkeit anzusehen. Dass dabei aber mindestens 30 Prozent der Bürger einfach unter den Tisch fallen, darf man gerade bei einer Veranstaltung unter dem Motto „halt!zusammen“ als bezeichnend betrachten.

Man kann sich viele Gedanken darüber machen, weshalb es noch immer nicht alltäglich ist, beim Thema Glaube und Weltanschauung diejenigen als gleichberechtigt anzusehen, die säkularer Überzeugung sind. Sind wir die „Schmuddelkinder“ der Gesellschaft, kaltherzig und ohne Empathie, weil wir die Nächstenliebe nicht über Gott, sondern über das Menschsein definieren – und damit (zumindest in den Köpfen vieler Einwohner) weiterhin als Minderheit zu betrachten sind, die nicht in die von Kirchen oktroyierte Geschichtsdeutung des „christlichen Abendlandes“ passen? Nicht zum ersten Mal sind Humanisten, Freidenker und Atheisten herausgefordert, sich der Provokation zu stellen. Sich klein machen, sich ducken und demütig mit einer leisen Stimme ganz zaghaft darauf hinzuweisen: „Wir sind auch noch da!“.

So hätte es gerade die Kirche vermutlich am liebsten: Das Betteln der „Ungläubigen“, mitmachen zu dürfen. Es stellt sich wiederum die Frage, ob eine Demonstration, die von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Vereinigungen ausgerichtet wird, derart klerikal unterwandert ist, dass sich von Sozialverbänden über Lesben- und Schwulenvertretungen bis zu Menschenrechtsorganisationen verschiedenste Gruppen derart vereinnahmen lassen, um schlussendlich uns Säkulare (un-)bewusst zu übergehen. Mitleidig könnten wir es als unwürdig anprangern, dass erst ein Nachfragen nötig wird, um beim „halt!zusammen“ aufgenommen zu werden. Doch das braucht es gar nicht: Mit ihrem Verhalten der Selektion hat sich die Protestaktion „gegen Rassismus und Gewalt“ schon selbst degradiert. Die Botschaft, die man aussenden will – den Zusammenhalt der Gesellschaft zu forcieren –, wurde von eigener Seite bereits vor Beginn des 16. Januar 2016 gebrochen.

„Wir sind die Vielen […] in unserem Land“ – so das Aushängeschild für die Demonstration – die sich gegen eine Benachteiligung wenden. So weit, dass ich den Organisatoren unterstelle, sie würden uns Säkulare in die Reihen von „Rassisten“ verorten, will ich nicht gehen. Aber meine Verärgerung ist offenkundig. Denn wer den Anspruch erhebt, für ein Bündnis zu stehen, das sich bei näherer Betrachtung als unvollständig herausstellt, der hat entweder seine Absichten unzureichend definiert – oder ist eben doch nicht in der Lage, den persönlichen Anforderungen nach einer breiten Integration standzuhalten. Insofern wünsche ich den Veranstaltern eine nachdenkliche Protestaktion, die nicht in erster Linie die Finger auf Andere richtet, sondern ihr eigenes Verständnis hinterfragt…

P.S.: Soweit erkennbar, wurden die jüdische und muslimische Gemeinde unter die Mitwirkenden einbezogen…

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