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„Ländle leben lassen“ fordert Umdenken beim Flächenverbrauch
Talkrunde auf dem Ramstalhof in Teningen-Köndringen mit (von links nach rechts): Bernhard Bolkart, Präsident des BLHV; Reinhold Kopfmann von der Gemeinde Teningen; Rosa Karcher, Präsidentin des Landfrauenverbandes Südbaden; Naturpark-Geschäftsführer Rolad Schöttle; Landwirt Stefan Engler, vom Ramstalhof; Sabine Kurtz, Staatssekretärin des MLR; Alexander Schoch, Landtagsfraktion Die Grünen; Marion Dammann, Landrätin des Landkreises Lörrach und Vorsitzende des Naturparks Südschwarzwald; Dr. Johannes Fechner, SPD Bundestagsfraktion ©Naturpark Südschwarzwald
  • 09. August 2023

„Ländle leben lassen“ fordert Umdenken beim Flächenverbrauch

Von Kerstin Heller | Naturpark Südschwarzwald

Wertvolle Ackerböden für die Zukunft schützen

Südschwarzwald – Beim Brunch auf dem Bauernhof in Teningen-Köndringen sprachen Politiker, Verbandsvertreterinnen und -vertreter und weitere Beteiligte über Flächenverbrauch und Landwirtschaft. Das Querschnittsthema prägt auch den Volksantrag „Ländle Leben lassen“.

Seit 15 Jahren laden am 1. Augustwochenende Höfe im Naturpark Südschwarzwald zum Brunch auf dem Bauernhof ein. Rund 1.200 Gäste lassen sich vor Ort mit regionalen Spezialitäten verwöhnen und erfahren auf Hofführungen etwas über den Alltag bäuerlicher Betriebe. Auf den Ramstalhof in Teningen-Köndringen waren darüber hinaus Vertreterinnen und Vertreter aus Politik sowie von der Presse und beteiligten Verbänden eingeladen, um sich in einer Talkrunde zum Thema Flächenverbrauch und regionale Landwirtschaft auszutauschen. Zu Gast waren Marion Dammann, Landrätin des Landkreises Lörrach und Vorsitzende des Naturpark Südschwarzwald e. V., Sabine Kurtz, Staatssekretärin des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR), Bernhard Bolkart, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), Rosa Karcher, Präsidentin des Landfrauenverbandes Südbaden, Reinhold Kopfmann von der Gemeinde Teningen sowie Gastgeber Stefan Engler vom Ramstalhof.

Es sei eine Querschnittsaufgabe, die das Thema Flächenverbrauch mit sich bringe, betonte Sabine Kurtz. Seit Jahrzehnten sei man sich einig, dass der Flächenverbrauch bei Wohnen, Gewerbe und Infrastruktur eingedämmt werden muss, denn mit jedem Hektar Versiegelung gehen wertvolle Böden unwiederbringlich verloren. Derzeit sei es eine Flächeninanspruchnahme von 6,2 Hektar pro Tag, die natürliche Flächen zerstört, Landschaften zerschneidet und sich damit der landwirtschaftlichen Nutzung entzieht. Damit Baden-Württemberg das Ziel von drei Hektar pro Tag bis 2030 und die Netto-Null bis 2035 erreicht, müssen noch erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Sabine Kurtz wies darauf hin, dass es in Baden-Württemberg seit 2021 ein neues Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen gibt, das die Kommunen mit zahlreichen Programmen bei einer flächensparenden Bewirtschaftung unterstützt. Ziel der Landesregierung sei es, bei der Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für Infrastruktur, Siedlung, Windenergie und Photovoltaik flächensparend zu agieren und – wo gar nicht vermeidbar – zielgerichtet auf landwirtschaftlich weniger wertvolle Flächen zu lenken. Für eine verbrauchernahe, regionale Versorgung mit Lebensmitteln seien die wertvollen Ackerböden unerlässlich, so Kurtz.

Für Rosa Karcher steht die Sicherung wertvoller Ackerböden an vorderster Stelle, denn bislang stünden diese nicht unter Schutz. Je mehr Ackerboden verloren geht, desto mehr landwirtschaftliche Produkte müssen aus dem Ausland importiert werden. Aus Karchers Sicht sei das eine riesige und unnötige CO²-Produktion. Es gehe schließlich um die regionale Ernährungssicherung im Land und da bilden der Schutz und Erhalt der wertvollen landwirtschaftlichen Ackerflächen das Rückgrat und die Produktionsgrundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft. In Bezug auf das Thema Photovoltaik plädierte Karcher dafür, landwirtschaftliche Flächen unbebaut zu belassen und höchstens schlecht zu bewirtschaftende Stellen zu nutzen. Ein flächensparendes Potential böte auch die Überbauung von Parkplätzen. Reinhold Kopfmann wies darauf hin, dass die Photovoltaik-Überdachung einer Freiland-Hühnerwiese die Kennzeichnungspflicht der Eier als „Bodenhaltung“ mit sich bringe und so trotz gleicher Herkunft den Verkaufspreis minimiere, was für die Landwirtschaft zusätzliche Probleme mit sich bringe.

Da der Flächenverbrauch im Ländle in den letzten Jahren trotz politischer Bemühungen nicht gesunken ist, haben sich mehr als 20 Verbände aus Landwirtschaft, Umwelt und Naturschutz zusammengeschlossen, um die Problematik rund um den Flächenverbrauch in die Gesellschaft zu tragen. Seit Jahrzehnten sei das Thema immer wieder auf der Tagesordnung gewesen. „Heute sind wir an einem Punkt, wo wir uns überlegen müssen, wie wir mit der Fläche umgehen und Alternativen finden können“, so BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. Marion Dammann betonte in Bezug auf die Redebeiträge die Komplexität des Themas sowie die unterschiedlichen Ansprüche an Fläche und Boden. Lösungen seien zu finden und Zielkonflikte beizulegen. Auch sei es an uns allen, unser Konsumverhalten zu überdenken. Darüber hinaus bringe die demografische Entwicklung langfristig einen Rückgang der Bevölkerungszahlen und damit wieder neue Herausforderungen mit sich. Zum Schluss betonte Landwirt Stefan Engler nochmals, dass der Stellenwert eines guten Ackerbodens nicht verschüttgehen dürfe. Gute Böden seien essenziell für eine nachhaltige und langfristige Versorgung mit regionalen Erzeugnissen.

Dieses Projekt wurde gefördert durch den Naturpark Südschwarzwald mit Mitteln des Landes Baden-Württembergs, der Lotterie Glücksspirale und der Europäischen Union (ELER). Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER). Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete.




Ressort: Hochrhein

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