- 09. Januar 2026
Strom und Wirklichkeit: E-Autos im Winter
Was moderne Hochvoltbatterien bei eisigen Temperaturen leisten – und was nicht
Wenn die Temperaturen sinken, kehren die Zweifel in Sachen Elektromobilität zurück. E-Autos gelten bei vielen noch immer als nur eingeschränkt wintertauglich. Wird es frostig, geraten vor allem das Verhalten der Batterie und die damit verbundene Reichweite immer wieder in die Kritik. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Nicht alles, was als Problem wahrgenommen wird, ist auch eines.
„Diskussionen rund um E-Autos im Winter werden noch immer aus dem Bauch heraus geführt“, sagt Michael Schlüting, Leiter der TÜV NORD Station Paderborn . „Dabei ist die Technik heute deutlich weiter, als ihr Ruf vermuten lässt.“
Kurzstrecken im Winter
Dass die Reichweite bei Kälte sinkt, ist bekannt. Chemische Prozesse in der Batterie laufen bei niedrigen Temperaturen langsamer ab. Zusätzlich erhöhen Verbraucher wie Innenraum-, Sitz- oder Scheibenheizung den Strombedarf. Doch vor allem Kurzstrecken fallen im Winter überproportional ins Gewicht. Schlüting erklärt: „Ein kalter Akku benötigt zunächst Energie, um seinen optimalen Temperaturbereich zu erreichen. Dieser Aufwand entsteht bei jeder Fahrt neu, während der Fahrweg vergleichsweise wenig Strom verbraucht.“ Abhilfe schaffen einfache Routinen. Viele moderne E-Autos verfügen über eine aktive Batterieheizung, die sich per App oder Timer einschalten lässt. „Idealerweise, beim Aufladen an der Wallbox oder Säule, damit der Strom aus dem Netz kommt“, sagt der TÜV-Experte. So wird es im Innenraum gemütlich warm und das Fahrzeug startet mit einer günstigen Betriebstemperatur.
Energieaufnahme bei Kälte<ü> Bei niedrigen Temperaturen kann eine Batterie Energie nur eingeschränkt aufnehmen. Ist der Akku stark ausgekühlt, begrenzt das Batteriemanagementsystem (BMS) sowohl die Ladeleistung als auch die Rückgewinnung von Bremsenergie über die Rekuperation. „Das dient dem Schutz der Zellen und ist kein Hinweis auf einen Defekt“, sagt Schlüting. Wer nicht über eine automatische Vorkonditionierung verfügt, sollte sein Fahrzeug daher idealerweise erst nach einer längeren Fahrt laden. „Und bei glatten Straßen wählt man am besten eine niedrigere Rekuperationsstufe oder einen entsprechenden Fahrmodus, um bei eisigen Temperaturen nicht ins Schlittern zu geraten“, so der Stationsleiter.
Batterieschutz bei Frost
Die Sorge vor einer Tiefenentladung der Hochvoltbatterie ist bei modernen E-Autos in der Regel unbegründet. Ihre Selbstentladung ist auch über längere Zeiträume hinweg gering, zudem überwacht das BMS den Ladezustand kontinuierlich und warnt rechtzeitig bei Auffälligkeiten. Unabhängig davon verfügen Elektroautos über eine separate 12-Volt-Batterie. Sie versorgt die Bordelektronik und bringt den E-Motor ins Rollen, reagiert aber empfindlich auf Kälte – insbesondere nach längeren Standzeiten. Schlüting empfiehlt daher zusätzliche Vorsorge: „Eine spezielle, fachgerecht installierte Thermohülle kann die 12-Volt-Batterie vor starker Kälte schützen.“ Wer sein Fahrzeug zudem dauerhaft in einer Garage oder zumindest windgeschützt parkt, kann die Belastung der Batterie im Winter spürbar reduzieren.
Fit für den Winter
Winterliche Einschränkungen sind in der Regel kein Zeichen für einen geschwächten Akku. Wer dennoch wissen möchte, wie es um die eigene Batterie tatsächlich steht, kann den Zustand zum Beispiel bei TÜV NORD unabhängig prüfen lassen. „Mit einem BatterieCheck über unsere Onboard Car Diagnosis lässt sich der Gesundheitszustand der Hochvoltbatterie objektiv einordnen“, sagt Schlüting. „Das schafft Transparenz – gerade im Winter, aber auch mit Blick auf Werterhalt und langfristige Nutzung.“